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Dietrich Willier : „Kinder gehörten zu seinem Leben“

Hier unterrichtete Dietrich Willier: die Odenwaldschule Bild: dapd

Dietrich Willier missbrauchte an der Odenwaldschule Kinder. Später war er ein Gründer der Berliner Tageszeitung „taz“. Dort galt Pädophilie damals als „Verbrechen ohne Opfer“.

          4 Min.

          Dietrich Willier war Kunstlehrer an der Odenwaldschule in Ober-Hambach. Von 1969 bis 1972. Er missbrauchte Kinder. Willier war einer der Täter, die an der reformpädagogischen Schule ihr Unwesen trieben: Das Internat war das Paradies der Päderasten, die kooperierten und Verbindungen zu anderen Pädokriminellen weit über die Schule hinaus unterhielten. Über Jahrzehnte konnten Gerold Becker und die anderen Täter sich ungestört an Kindern vergehen. Weit mehr als hundert Opfer blieben zurück. Dietrich Willier hat mindestens neun Kinder missbraucht – so konstatiert es der Abschlussbericht über sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule. Doch es ist von viel mehr Opfern auszugehen. Ein Altschüler erinnert sich daran, dass Willier eine umfangreiche Kinderpornosammlung besessen habe. Die Kinder auf den Fotos seien sehr jung gewesen: manche erst drei Jahre alt.

          Philip Eppelsheim

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche.

          Ehemalige Schüler der Odenwaldschule beschreiben Willier als charismatisch, anarchistisch und verrückt. Er organisierte Theateraufführungen. Er rauchte neben Gauloises auch Joints. Er züchtete Schlangen. Den Schülern gefiel das. Mit Charisma und „coolem Verhalten“ fing der Päderast seine Opfer.

          Sympathie mit den Päderasten

          Nachdem Willier die Odenwaldschule verlassen hatte, errichtete er in La Begude in der Provence eine „Urschrei-Therapie-Einrichtung“. Manche Altschüler besuchten ihn dort. Unter anderen der vor zweieinhalb Jahren verstorbene Andreas von Weizsäcker, der Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten.

          Ende der siebziger Jahre gehörte Dietrich Willier zu den Gründern der Berliner „tageszeitung“ (taz). Bis 1989 war er Stuttgarter Korrespondent der Zeitung. Die bot Päderasten eine Plattform. Teile des linken Milieus sympathisierten damals mit den Päderasten, die sich als emanzipatorische Bewegung definierten.

          Ihren Anfang nahm die sogenannte „Pädophilie-Bewegung“ in den sechziger Jahren in der Schwulenbewegung. Die „Allgemeine homosexuelle Arbeitsgemeinschaft“ forderte in den Siebzigern, dass „Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern“ straffrei bleiben müsse. Dann nahm sich auch die Spontibewegung des Themas an. So war 1977 im Magazin „Pflasterstrand“ zu lesen: „Wenn wir uns als Menschen begreifen, die gegen jede Unterdrückung kämpfen, dann gilt es auch für Päderasten. . . . Wir tun den Kindern ja Gewalt an, wenn wir auf ihre sexuellen Bedürfnisse nicht eingehen.“

          „taz“ gab Päderasten eine Plattform

          Die „taz“ trug schließlich erheblich zur bundesweiten Verbreitung der Thesen der „Pädophilie-Bewegung“ bei, versuchte, Kinderschändung ideologisch zu legitimieren: mit Fortsetzungsreihen. Päderasten durften offen ihre Forderung nach Sex mit Kindern verbreiten. Die Zeitung sympathisierte mit „Pädo-Gruppen“, unter anderen mit der Nürnberger „Indianerkommune“. 1979 erschien in der „taz“ ein Artikel unter der Überschrift: „Verbrechen ohne Opfer“. Autor Olaf Stüben verkündete: „Ich liebe Jungs“. So sah der Umgang mit einem Verbrechen aus, das Kinder zerstört, ihre Seele foltert, ein Leben lang nicht loslässt.

          Im April 2010 nahm sich die „taz“ der Verstrickung von linkem Milieu und Päderasten an und stellte fest: „War die taz eine Spielwiese für Pädophile? Die sexuelle Neigung Erwachsener zu Kindern galt zumindest in den Anfangsjahren der Zeitung als ,Verbrechen ohne Opfer’.“ Weiter stand in dem Artikel: „In den 90ern fanden ,Pro Pädo’-Positionen keine Sympathie mehr. Weder in der Schwulenbewegung noch in der taz.“ Zum Beleg wurde ein Artikel aus dem Jahr 1995 herangezogen: „Aus falsch verstandener Solidarität neigen die meisten Schwulen dazu, die oft schwerwiegenden Folgen für die Kinder zu verharmlosen. Mit dem Wegsehen muss Schluß sein.“ Elmar Kraushaar drückte es im gleichen Jahr in seiner Kolumne „Der homosexuelle Mann . . .“ anders aus: „Jetzt sind die Pädos an der Reihe, jene Männer, die Knaben lieben, solange sie noch Knaben sind. Noch keine 20 Jahre her, da gehörten sie wie selbstverständlich zur großen Gemeinschaft der Perversen, und voll Stolz verwies man auf die prominenten Ahnen aus der Minderheit in der Minderheit. Da sprach man noch mit leuchtenden Augen von dem zehnjährigen ,Kleinen Teufel’, den sich Leonardo da Vinci ins Haus holte, oder von dem 14jährigen Tunesier, der André Gide die Unschuld nahm. Diese Zeiten sind vorbei. Was die Feministinnen nicht schafften und auch nicht die Debatte um ,sexuellen Mißbrauch’, das haben endlich die stramm Konservativen erreicht: Der gewöhnliche Homosexuelle will mit den Kinderfickern nichts mehr gemein haben.“ Kraushaar schloss mit den Worten: „Die Epressung der Rechten zündet allerorten, und Ausschluß und ,Nichtbefassung’ treten an die Stelle von politischer Auseinandersetzung. Für den Eintritt ins Establishment wird bar bezahlt. Wer wird nach den Pädos als nächster dran sein?“

          „Der pädosexuelle taz-Kollege“

          Als Willier Ende 2009 starb, veröffentlichte die „taz“ einen Nachruf. Dass er an der Odenwaldschule unterrichtet hatte, erwähnten die Autoren des Artikels nicht. Sie schrieben: „Menschen wie Didi waren es, die die taz zum Erfolg machten und ihr die unverwechselbare Farbe und vor allem die innere Unabhängigkeit verschafften. . . .“ Weiter befasste sich der Nachruf damit, dass Willier aus Sarajewo berichtete, dass er den Prozess von Stammheim begleitete, dass er auch für „Zeit“ und „stern“ tätig war, dass er bei der Kindersendung „Tigerente“ mitarbeitete und ein Treffen von Kindern und Nobelpreisträgern auf der Insel Mainau organisierte: „Dass die Kinder und die Nobelpreisträger sofort eine gemeinsame Sprache fanden, ermutigte ihn zur Kinderuniversität . . .“ Kinder, so ist im Nachruf zu lesen, „Kinder vor allem gehörten zu seinem Leben“.

          Am Samstag veröffentlichte die „taz“ nun einen Artikel über Dietrich Willier: „Der pädosexuelle taz-Kollege“. Ein weiterer Artikel beschäftigte sich wieder mit der Verstrickung von Alternativen und Päderasten in den siebziger und achtziger Jahren. Über Dietrich Willier ist zu lesen, dass dieser „nach bisherigen Informationen“ nach seiner Zeit an der Odenwaldschule von der „Pädosexualität abgerückt“ sein soll. „Der attraktive Mann habe danach immer nur Beziehungen mit Frauen gehabt, und zwar gleichaltrigen, häufig feministisch eingestellten Partnerinnen.“

          Dabei weiß, wer sich mit dem Thema „Pädokriminelle“ näher beschäftigt: Wer einmal damit angefangen hat, Kinder zu missbrauchen, der hört nicht damit auf. Es sei denn, er wird erwischt und weggesperrt.

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