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Dieter Romann im Porträt : Mit Hypothek

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Der bisherige Referatsleiter für Terrorismus-Bekämpfung im Innenministerium und künftige Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann Bild: dpa

Der neue Bundespolizeipräsident Romann kommt aus dem Hause des Bundesinnenministers. Er dürfte mit Skepsis an der Havel empfangen werden - nicht nur wegen der Umstände der Entlassung seines Vorgängers.

          An diesem Mittwoch hat der Bundesinnenminister dem neuen Bundespolizeipräsidenten seine Ernennungsurkunde überreicht. Anschließend will Hans-Peter Friedrich (CSU) ihn persönlich der Mitarbeiterversammlung in Potsdam vorstellen. Dieter Romann tritt sein Amt mit einer schweren Hypothek an. Was immer der Grund für Hans-Peter Friedrich war, sich vom bisherigen Präsidenten Matthias Seeger zu trennen - die Umstände der Entlassung haben nicht nur der Betroffene selbst, sondern auch große Teile seines Hauses als „würdelos“ und „beschämend“ empfunden. Deshalb dürfte Romann mit Skepsis an der Havel empfangen werden, zumal er aus dem Haus des CSU-Politikers kommt - und zwar aus der Abteilung „Öffentliche Sicherheit“, aus der Friedrich nun mehrere Beamte mit neuen Posten und Aufgaben betraut hat.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Romann, der dort seit Ende 2009 Leiter des Referates Ausländerterrorismus und -extremismus war, hat zudem nicht die Möglichkeit, selbst die Führung des Hauses neu zu ordnen, da Friedrich auch Seegers Stellvertreter versetzte und die Nachfolger schon feststehen. Der Austausch der kompletten Führungsriege der 40.000 Mitarbeiter umfassenden Sicherheitsbehörde lässt vermuten, dass mehr vorgefallen sein muss als eine zu eigenmächtige Pressearbeit der Behördenleitung - eines der Gerüchte, die als Begründung dieser Tage durch Berlin geistern. Anders als im Falle des politischen Beamten Seeger, der ohne Angabe von Gründen in den Ruhestand versetzt wurde, hätte Friedrich bei der Versetzung von dessen Stellvertretern diesen und der Öffentlichkeit übrigens eine Erklärung liefern dürfen.

          Freund der klaren Aussprache

          Der 50 Jahre alte Volljurist aus Ahrweiler bringt zumindest theoretisch gute Kenntnisse über schwierige Situationen in Behörden mit: Nach dem ersten Staatsexamen an der Universität Bonn nahm er ein Doktorandenstudium an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer auf, an dessen Ende eine Dissertation zum Thema „Remonstrationsrecht und Remonstrationspflicht im Beamtenrecht“ stand, eine Untersuchung über den Konflikt zwischen Gehorsamspflicht und Eigenverantwortlichkeit.

          1993 trat der mit einer Floristin verheiratete Mann ins Bundesinnenministerium ein, als dieses noch in Bonn saß. Dort war er hauptsächlich mit Fragen der inneren Sicherheit befasst: in der Abteilung Bundesgrenzschutz, wie die Bundespolizei früher hieß, während einer Abordnung ins Bundeskriminalamt und auch vor 2009 als Referatsleiter für Polizeiliche Grundsatz- und Einsatzangelegenheiten der Bundespolizei.

          Der Sprung vom Referatsleiter zum Präsidenten einer oberen Bundesbehörde, was im Ministerium dem Rang eines Abteilungsleiters entspräche, ist ein gewaltiger. Im Ministerium wird aber darauf verwiesen, dass Romann schon Großeinsätze wie eine Fahndung gegen Salafisten in mehreren Bundesländern in Frühjahr dieses Jahres gemeistert habe. Zudem gilt er als Freund der klaren Aussprache, der schon bislang keine Schwierigkeiten hatte, sich Gehör zu verschaffen, wenn es unruhig wird. Unruhig wird es vorerst für ihn bleiben.

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