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Dieter Fritz Ullmann : Der pädokriminelle Cheflobbyist

  • -Aktualisiert am

Bei der Aufarbeitung der Verstrickung von Grünen und Pädophilen taucht ein Name immer wieder auf: Dieter Fritz Ullmann. Heute will sich kaum jemand an ihn erinnern.

          Im Mai 1980 kam es zu einem bizarren Streit in der deutschen Pädophilen-Szene. In ausufernden Briefwechseln zankten sich die Pädophilen darüber, wer in der Bonner Beethovenhalle deutschen Politikern erklären dürfe, wie wichtig Sex für und mit Kindern sei. Es ging darum, ob auf dem Podium ein homosexueller Pädophiler sitzen müsse – oder ob es auch ein heterosexueller sein dürfe.

          „Wir lassen uns nicht spalten in akzeptierte lesbische und schwule Pädos und ausschließliche Heteropädos“, schrieb ein gewisser Dieter Fritz Ullmann in einem Brief. Man wisse doch längst, „dass auch einvernehmlicher Sex zwischen alten Männern und kleinen Mädchen nicht kriminalisiert werden darf“. Ullmann drohte den Schwulen-Vereinen kurzerhand, dass die Pädos aus gemeinsamen Gremien aussteigen und er den Druck von Programmheften für das Beethovenhallen-Treffen nicht mehr übernehmen werde.

          Weder Auswirkungen noch Konsequenzen

          Ullman war kein Unbekannter. Er war prominenter Pädo bei der Berliner Alternativen Liste, einer Vorgängerorganisation der Grünen, gab diverse Pädophilieblättchen heraus – und er war im Vorstand der „Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie“ (DSAP). Die DSAP ist jene Lobbytruppe, die der Parteienforscher Franz Walter in der F.A.Z. als die wichtigste Kaderorganisation der Pädophilen in den siebziger und achtziger Jahren identifiziert hat. Walter untersucht derzeit die Verstrickungen der Grünen, dabei ist er auf ein Netzwerk aus Pädolobby, Parteien, Medien und Organisationen gestoßen. FDP und Kinderschutzbund hat es bereits erwischt, weil sich herausstellte, dass die Lobbygruppe DSAP sie zu unterwandern begann. Die FDP-Kandidatin Dagmar Döring zog deswegen vor sechs Wochen ihre Bewerbung für den Bundestag zurück.

          Die Mitgliedschaft Ullmanns in der Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie hatte bei den Grünen überraschenderweise weder Auswirkungen noch Konsequenzen. Selbst in Walters Bericht wird er nur mit einem unscheinbaren Nebensatz als DSAP-Vorständler markiert. Dabei scheinen die Fragezeichen bei Dieter Ullmann angebrachter als bei anderen Pädos und Parteien: Der 1953 geborene Mann war so etwas wie der Cheflobbyist der DSAP, er war Spin-Doctor und Politikmanager zugleich. Ullmann gründete die DSAP 1979, er hob sie nach Turbulenzen unter den Pädokriminellen 1983 in Berlin ein zweites Mal aus der Taufe. Es gibt praktisch kein DSAP-Papier, das er nicht schrieb oder in dem er nicht auftaucht. Ullmann war quasi die DSAP.

          Künast kann sich nicht erinnern

          Dabei kam Ullmann regelmäßig zu den Grünen. Wenn er Freigang hatte, besuchte er die Veranstaltungen der Alternativen Liste sogar aus dem Knast heraus. Denn der Krefelder Kaufmann war nicht nur Lobbyist, sondern auch Täter. Sechsmal wurde er im Laufe der achtziger Jahre verurteilt, weil er Kinder missbraucht hatte – unter anderem wegen versuchten Analverkehrs mit einem Siebenjährigen. Und die Grünen machten Politik mit ihm. 1981 kündigte Daniel Cohn-Bendit in einem Zeitungsgespräch an, dass es bald Krach geben würde, wenn die Berliner Grünen bei der Wahl zehn Prozent gewönnen: „Dann kommt nämlich Dieter Ullmann, der jetzt noch im Knast sitzt, in das Berliner Abgeordnetenhaus.“ Die Mitgliedschaft in seinen Pädogruppen hat Ullmann nicht etwa verheimlicht. Er bewarb sich aus der Zelle der JVA Berlin-Moabit heraus als pädosexueller Volksvertreter.

          Heute kokettiert niemand mehr mit dem Namen Ullmanns, der inzwischen verstorben ist. Man will ihn am liebsten vergessen. Von den damaligen Parteikollegen mag sich kaum jemand erinnern. Als seine langjährige Berliner Parteifreundin Renate Künast vor wenigen Tagen in einer Talkshow auf den Pädokriminellen angesprochen wurde, sagte sie: „Da habe ich jetzt kein Gesicht vor Augen, ich kann mich nicht erinnern.“ Jetzt will sie Bundestagsvizepräsidentin werden. Im bayerischen Landtagswahlkampf hatte sie gesagt, „dass wir nicht der Ort der Täter sind“. Bei ihrem Parteifreund Ullmann gab es Opfer, sie waren Siebenjährige, Neunjährige, Zwölfjährige.

          Herausgeber des Hefts „PädoPower“

          Das Treffen in Bonn 1980 war für die Homosexuellen wie für die Pädoszene essentiell. Schwulenvereine wollten die Parteien wegen des Paragraphen 175 bearbeiten. Den Pädosexuellen reichte das nicht. Über Jahre hinweg hatte es einen eher akademischen Diskurs in Sexualwissenschaft und Juristerei darüber gegeben, ob es Kindern guttue – wie es damals hieß –, „Sex mit Erwachsenen“ zu haben. Und ob man das überhaupt bestrafen dürfe. Nun wollten die Pädophilen die Parteien dazu bringen, das Sexualstrafrecht auch wirklich abzuschaffen – und zwar komplett.

          Sie kamen in der Beethovenhalle nicht weit, weil die berüchtigte Nürnberger Indianerkommune die Veranstaltung sprengte. Der Autor des Drohbriefs an die „schwulen Schwestern“ war dennoch gut gewählt. Dieter Ullmann hatte gelernt, wie man sich im politischen Geschäft durchsetzt. Er war jemand, der fein unterscheiden konnte – auch wenn es ums Grobe ging. Bei gewaltsamem „Sex mit Kindern“ wollte er ins Gesetz schreiben lassen, dass nur die „Gewalt, die Nötigung oder die Ausnutzung der Widerstandsfähigkeit“ bestraft würde – nicht aber der Sex, der dabei stattfinde. In seinen publizistischen Produkten verschwimmt die Grenze freilich.

          So gab Ullmann ein Heft heraus, das „PädoPower“ hieß. Im Jahr 1985 erschien ein Themenheft „Pädosexualität & Gewalt“. In einem Text schwärmte ein pädosexueller Mann davon, wie er seinen zwölfjährigen Freund abholen wollte, aber weil der nicht da gewesen sei, stromerte der Mann einfach durch die Gegend: „Kurz gesagt, ich war geil auf einen jungen Knaben.“

          Aus dem Gedächtnis gelöscht

          Die Geschichte muss hier nicht in allen Details erzählt werden, es reicht zu wissen, dass der Mann einen neunjährigen Jungen findet und sich immer mehr daran erregt, dass das Kind Angst vor ihm hat. Schließlich habe er den Jungen geschlagen, ihn gezwungen, ihn oral zu befriedigen, bis zum bitteren Ende. Dann folgte, als Pointe: „Wie gesagt, ich bin ein Pädophiler. Im Moment habe ich eine sehr intime Beziehung zu einem achtjährigen Jungen auf ganz liebe Art. Ich schlage ihn nicht und mache ihm auch keine Angst.“

          Redakteur Dieter Ullmann ergänzte, dass die zu dem Text gestellten Zeichnungen „sadistische Exzesse mit Knaben“ zeigten – die man freilich nicht gutheißen könne. Klar, hier war schon wieder Strafbarkeit im Spiel. Doch Ullmann war keiner, der schnell aufgab. 1985 übernahm er die grüne Bundesarbeitsgemeinschaft „Schwule, Päderasten und Transsexuelle“, um ihr in der Partei neuen Schub zu geben, was ihm nicht gelang. Auch außerhalb der Grünen blieb er rührig. Mit seiner neuen „AG Pädophiles Berlin“ versuchte er, noch mal an die missglückte Beethoven-Veranstaltung anzuknüpfen. Er wollte die schwule und pädophile Einheitsfront wieder kitten. Weil es ungerecht sei, wenn der Paragraph 175 geändert werde – und „zur gleichen Zeit mal wieder ein Pädo, der es mit einem 13-jährigen Jungen hatte, in den Knast wandert“.

          1989 war es nicht Dieter Fritz Ullmann, der ein Papier verfasste, sondern ein Solidaritätskomitee. Ullmann saß wieder einmal im Gefängnis, abermals hatte er sich an einem Siebenjährigen vergriffen. Die „Unterstützergruppe dfu“ bat darum, das Gnadengesuch Ullmanns mit einer Petition zu unterstützen – er wollte seine Reststrafe von 17 Monaten nicht mehr antreten. Als Grund wurde unter anderem genannt, wie heroisch der DSAP-Chef einst aus dem Knast heraus seine Kandidatur „als pädosexueller Kandidat“ der Berliner Grünen betrieben hatte. Danach verlieren sich Ullmanns Spuren in den Archiven der DSAP. Auch im Gedächtnis der Grünen wird er gelöscht.

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