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Dieter Fritz Ullmann : Der pädokriminelle Cheflobbyist

  • -Aktualisiert am

Herausgeber des Hefts „PädoPower“

Das Treffen in Bonn 1980 war für die Homosexuellen wie für die Pädoszene essentiell. Schwulenvereine wollten die Parteien wegen des Paragraphen 175 bearbeiten. Den Pädosexuellen reichte das nicht. Über Jahre hinweg hatte es einen eher akademischen Diskurs in Sexualwissenschaft und Juristerei darüber gegeben, ob es Kindern guttue – wie es damals hieß –, „Sex mit Erwachsenen“ zu haben. Und ob man das überhaupt bestrafen dürfe. Nun wollten die Pädophilen die Parteien dazu bringen, das Sexualstrafrecht auch wirklich abzuschaffen – und zwar komplett.

Sie kamen in der Beethovenhalle nicht weit, weil die berüchtigte Nürnberger Indianerkommune die Veranstaltung sprengte. Der Autor des Drohbriefs an die „schwulen Schwestern“ war dennoch gut gewählt. Dieter Ullmann hatte gelernt, wie man sich im politischen Geschäft durchsetzt. Er war jemand, der fein unterscheiden konnte – auch wenn es ums Grobe ging. Bei gewaltsamem „Sex mit Kindern“ wollte er ins Gesetz schreiben lassen, dass nur die „Gewalt, die Nötigung oder die Ausnutzung der Widerstandsfähigkeit“ bestraft würde – nicht aber der Sex, der dabei stattfinde. In seinen publizistischen Produkten verschwimmt die Grenze freilich.

So gab Ullmann ein Heft heraus, das „PädoPower“ hieß. Im Jahr 1985 erschien ein Themenheft „Pädosexualität & Gewalt“. In einem Text schwärmte ein pädosexueller Mann davon, wie er seinen zwölfjährigen Freund abholen wollte, aber weil der nicht da gewesen sei, stromerte der Mann einfach durch die Gegend: „Kurz gesagt, ich war geil auf einen jungen Knaben.“

Aus dem Gedächtnis gelöscht

Die Geschichte muss hier nicht in allen Details erzählt werden, es reicht zu wissen, dass der Mann einen neunjährigen Jungen findet und sich immer mehr daran erregt, dass das Kind Angst vor ihm hat. Schließlich habe er den Jungen geschlagen, ihn gezwungen, ihn oral zu befriedigen, bis zum bitteren Ende. Dann folgte, als Pointe: „Wie gesagt, ich bin ein Pädophiler. Im Moment habe ich eine sehr intime Beziehung zu einem achtjährigen Jungen auf ganz liebe Art. Ich schlage ihn nicht und mache ihm auch keine Angst.“

Redakteur Dieter Ullmann ergänzte, dass die zu dem Text gestellten Zeichnungen „sadistische Exzesse mit Knaben“ zeigten – die man freilich nicht gutheißen könne. Klar, hier war schon wieder Strafbarkeit im Spiel. Doch Ullmann war keiner, der schnell aufgab. 1985 übernahm er die grüne Bundesarbeitsgemeinschaft „Schwule, Päderasten und Transsexuelle“, um ihr in der Partei neuen Schub zu geben, was ihm nicht gelang. Auch außerhalb der Grünen blieb er rührig. Mit seiner neuen „AG Pädophiles Berlin“ versuchte er, noch mal an die missglückte Beethoven-Veranstaltung anzuknüpfen. Er wollte die schwule und pädophile Einheitsfront wieder kitten. Weil es ungerecht sei, wenn der Paragraph 175 geändert werde – und „zur gleichen Zeit mal wieder ein Pädo, der es mit einem 13-jährigen Jungen hatte, in den Knast wandert“.

1989 war es nicht Dieter Fritz Ullmann, der ein Papier verfasste, sondern ein Solidaritätskomitee. Ullmann saß wieder einmal im Gefängnis, abermals hatte er sich an einem Siebenjährigen vergriffen. Die „Unterstützergruppe dfu“ bat darum, das Gnadengesuch Ullmanns mit einer Petition zu unterstützen – er wollte seine Reststrafe von 17 Monaten nicht mehr antreten. Als Grund wurde unter anderem genannt, wie heroisch der DSAP-Chef einst aus dem Knast heraus seine Kandidatur „als pädosexueller Kandidat“ der Berliner Grünen betrieben hatte. Danach verlieren sich Ullmanns Spuren in den Archiven der DSAP. Auch im Gedächtnis der Grünen wird er gelöscht.

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