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Digitale Nachverfolgung : Kann die Corona-App funktionieren?

Bisher gibt es vom Robert-Koch-Institut nur die Datenspende-App. Bild: AFP

Wie funktioniert die App? Wem nützt sie und wo bleibt sie? Wird es am Ende doch einen Zwang zum Herunterladen geben? Antworten auf die drängendsten Fragen.

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          Am Donnerstag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einmal hervorgehoben, wie wichtig es für die Normalisierung des Alltags ist, künftig jede Infektionskette nachvollziehen zu können. Kurz vorher hatten Wissenschaftler der wichtigsten Forschungsgesellschaften noch einmal deutlich gemacht, dass dabei eine App entscheidend sein wird. Sie kann alle warnen, die mit einem Infizierten in Kontakt hatten. Je früher jemand, der potentiell ansteckend ist, davon weiß, desto eher kann er Rücksicht walten lassen – so zumindest der Gedanke. Aber wann kommt die App, und wie wird sie funktionieren? Wird sie überhaupt funktionieren? Es ist leicht, den Überblick zu verlieren. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen.

          Morten Freidel
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Wie funktioniert die App?

          Die App soll alle warnen, die mit einem Infizierten Kontakt hatten – und zwar in der Grundeinstellung so, dass niemand anderes davon erfährt, weder das Robert-Koch-Institut noch die lokalen Gesundheitsämter. Dazu sollen über das Smartphone anonyme Kennnummern aller Nutzer ausgetauscht werden, die sich in einem epidemiologisch relevanten Abstand begegnet sind – die also etwa in einem Abstand von unter zwei Metern längere Zeit nebeneinander standen.

          Gibt es eine zentrale Datenbank?

          Die Bundesregierung hat sich am vergangenen Wochenende entschieden, auf einen dezentralen Ansatz bei der Speicherung der Daten zu setzen. Die anonymen Identitäten der Nutzer werden damit nur dem Smartphone selbst gespeichert. Falls jemand positiv auf das Coronavirus getestet wird, bekommt er vom Gesundheitsamt eine Tan-Nummer. Mit der kann er sich in der App als infiziert melden, dann wird seine Identität an alle Teilnehmer gesendet. Diejenigen, die mit dem Erkrankten Kontakt hatten, werden gewarnt. Was sie mit dieser Warnung anfangen, ist ihre Sache. Wichtig ist der Bundesregierung, dass die Nutzung der App freiwillig ist.

          Wann kommt die App und wer entwickelt sie?

          Die App für das Robert-Koch-Institut wird mittlerweile von den Firmen Deutsche Telekom und SAP entwickelt. Wann sie verfügbar gemacht wird, ist noch immer nicht bekannt. Ursprünglich war geplant, sie Ende April freizuschalten. Die Einführung verzögerte sich aber insbesondere wegen eines Streits unter Fachleuten über die Frage, wie die Daten gespeichert werden sollten. Das Gesundheitsministerium hat die Erwartungen auf eine schnelle Einführung zuletzt gedämpft.

          Wird die App überhaupt etwas bringen?

          Zumindest müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein, damit die App wirklich einen Nutzen hat. Nach Schätzungen von Fachleuten müssten mindestens sechzig Prozent aller Deutschen sie benutzen, damit die Infektionsketten effektiv unterbrochen werden können. Das bedeutet, fast fünfzig Millionen Deutsche müssten sich die App herunterladen, was bei einer freiwilligen Nutzung zumindest eine optimistische Annahme ist. Falls es klappte, würde die Zahl der Downloads jedenfalls alle bisherigen Rekorde brechen.

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