https://www.faz.net/-gpf-6yjgq

Die Wahl des Bundespräsidenten : „Was für ein schöner Sonntag“

„Aus der Mitte der Bevölkerung“: Mitglieder aller Fraktionen gratulieren Joachim Gauck zu seiner Wahl Bild: Lüdecke, Matthias

In seiner Dankesrede erinnerte Gauck mit brüchiger Stimme an den 18. März 1990 und später daran, dass er kein Heilsbringer sei.

          Die Digitale Uhr im Reichstagsgebäude zeigt 14.24 Uhr, als der Bürger Joachim Gauck sich von seinem Platz zwischen den Fraktionen von Grünen und Union erhebt und mit fester Stimme sagt: „Herr Präsident, ich nehme die Wahl an“. Dann geht er zum Rednerpult der Bundesversammlung und spricht seinen ersten Satz als Bundespräsident der Deutschen. Er lautet: „Was für ein schöner Sonntag.“ Draußen scheint die Sonne, der fruchtbringende Nieselregen wird erst ein paar Minuten später von der Uckermärker Heimat der Bundeskanzlerin über Berlin gezogen sein. Und so erhält Gauck seinen ersten Beifall der Versammlung, die ihn wenige Minuten zuvor mit großer Mehrheit (991 von 1228), aber auch bei einer beachtlichen Zahl von Enthaltungen (108) gewählt hatte. Der Kandidatin der Linken, Beate Klarsfeld war es immerhin gelungen, drei Wahlmänner oder -Frauen aus der Versammlung zu gewinnen, nämlich 126, als ihre Linke-Bundesversammlungsfraktion Mitglieder hat. Die NPD blieb mit ihren drei Wahlleuten und ihrem Kandidaten allein.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Bundespräsident Gauck hat aber gar nicht das Wetter gemeint oder eitle Freude über seinen Wahlerfolg, sondern einen „schönen Sonntag“ im März vor zweiundzwanzig Jahren. Damals, am 18. März 1990 war er, mit fünfzig Jahren, zum ersten Mal in seinem Leben zu einer Wahl gegangen, die demokratisch war, nämlich frei, gleich und geheim. Er habe an jenem Tag gewusst, die DDR, „dieses graue, gedemütigte Land würde wieder Europa sein“. Er werde, sagte Gauck, diese Wahl nie vergessen, niemals. Freiheit, das habe er dann praktisch und theoretisch erfahren, sei aber auch verbunden mit einer Pflicht zur Verantwortung. Er werde auch, versprach der gewählte Bundespräsident, „mit meiner ganzen Kraft und mit meinem Herzen ,ja’ sagen, die der Verantwortung, die sie mir heute übertragen haben“. Dem so hochgelobten, von manchen geradezu ersehnte ehemaligen Rostocker Pastor und ehemaligen Stasi-Unterlagen-Beauftragten, der nun im zweiten Anlauf ein Präsident aller Bürger, ein Mann der Herzen sein soll, einer, der verlorenes Vertrauen zurückbringt, nicht in die Demokratie, aber doch in diejenigen, die sie repräsentieren, bricht unter der Last dieser Verantwortung gelegentlich die Stimme. Er ahnt, dass er unter voraugeeilten Huldigungen dereinst auch begraben werden könnte, falls er nicht alle Erwartungen erfüllt.

          Rückkehr zur Normalität

          Der Präsident der Bundesversammlung, Norbert Lammert hatte gleich zu Beginn der Sitzung, die um Punkt zwölf begonnen hatte, mit humorigem Ernst formuliert, was die Republik nach zwei abgebrochenen Präsidentschaften nun zuallererst und in aller Bescheidenheit von einem Bundespräsidenten Gauck erwartet: Eine Rückkehr zur Normalität und also wenigsten fünf Jahre im Amt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

          Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

          Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

          1:0 gegen Hoffenheim : Hintereggers Blitztor reicht der Eintracht

          Nach 36 Sekunden führte die Eintracht 1:0. Und nach 90 Minuten ebenfalls. Beim Bundesliga-Auftaktsieg gegen Hoffenheim vergibt die Eintracht viele Chancen auf einen höheren Sieg. Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder verliert beim Bundesligadebüt.

          „Tatort“ aus Dresden : Echte Kommissarinnen stehen zusammen

          Ein spektakuläres Verbrechen, ein Chef, dem die Nerven durchgehen, und zwei Ermittlerinnen mit Durchblick: Das neue Team des „Tatorts“ aus Dresden wird sich so rasant einig, dass man nur staunen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.