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FAZ Plus Artikel Union und Migrationspakt : Nichts zu machen wäre viel schlimmer

Gesundheitsminister Spahn (CDU, links) und CSU-Landesgruppen-Vorsitzender Alexander Dobrindt (CSU, rechts) verstehen sich bei inhaltlichen Debatten nicht immer so gut wie hier während einer Bundestagssitzung im Juni. Bild: dpa

Die Union streitet weiter über den neuen Migrationspakt. Spahn verstärkt seine Kritik, Söder schwankt – doch Dobrindt steht weiter dazu. Selbst eine Einigung unter den Politikern würde den Pakt jedoch nicht beliebter machen.

          Alexander Dobrindt liebt es, seine Meinung in wenig geläufigen Worten zu formulieren. Am Dienstag war es das Wort „Kernsinn“. Es ging um den globalen Migrationspakt der Vereinten Nationen, über dessen Für und Wider die Unionsparteien streiten. Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag, nutzte den Begriff, um sich gegen die Kritiker des Pakts zu wenden. Dessen „Kernsinn“ sei es nämlich, „illegale Migration zu reduzieren und legale zu ermöglichen“. Das aber sei genau die Politik, die Deutschland verfolge: die Grenzen sicher zu machen und zugleich Arbeitskräften aus anderen Ländern die Chance zu eröffnen, nach Deutschland zu kommen, worauf das Fachkräftezuwanderungsgesetz ziele.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Pakt sage viel aus über die Verantwortung von Herkunfts- und Transitländern für Millionen Arbeitsmigranten, es gehe um Mindeststandards für deren Gesundheitsversorgung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Kein anderes Land habe indes so klare und weitreichende gesetzliche Regeln wie Deutschland, wenn es um die Integration von Migranten und um deren Zugang zu Sozial- und Gesundheitsleistungen gehe. Wenn durch den Pakt andere Länder sich in Richtung dieser Standards bewegen würden, dann werde das den Migrationsdruck auf Deutschland verringern. Und das sei im ureigenen Interesse, auch wenn nicht jeder Satz im vorliegenden Text „in reiner CSU-Lehre formuliert“ sei.

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          Wo liegen die Vorteile für Deutschland?

          Der UN-Migrationspakt hat vier wesentliche Teile: eine Präambel, „Visionen und Leitprinzipien“, einen Katalog von 23 Zielen sowie „Verpflichtungen“, die daraus folgen. In der Präambel wird klargestellt, dass es sich bei dem Pakt um einen „rechtlich nicht bindenden Kooperationsrahmen“ handele. Außerdem wird hervorgehoben, dass Migranten und Flüchtlinge unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Rechtsansprüchen seien. Allerdings wird nicht immer klar, ob unter „irregulären Migranten“ nicht auch Flüchtlinge gemeint sind. Wo liegen die Vorteile für Deutschland? Deutsche Interessen werden vor allem durch die Bekämpfung irregulärer Migration bedient:

          • Die Staaten werden dazu aufgefordert, Fluchtursachen zu bekämpfen: „Verzweiflung und sich verschlechternde Umweltbedingungen“ sollten die Menschen nicht dazu veranlassen, „durch irreguläre Migration anderswo eine Existenzgrundlage zu suchen“.

          • Die Herkunftsstaaten sollen sicherstellen, dass Migranten über Identitätsausweise und „ausreichende Dokumente“ verfügen.

          • Die Schleusung von Migranten soll stärker bekämpft werden, mit dem Ziel, „der Straflosigkeit der Schleusernetzwerke ein Ende zu bereiten“.

          • Menschenhandel soll gesondert und entlang der Routen irregulärer Migration bekämpft werden.

          • Die Staaten verpflichten sich, irreguläre Migration durch nationales, bilaterales und regionales Grenzmanagement „zu verhindern“. (Gleichzeitig verpflichtet der Pakt aber auch dazu, den „Grundsatz der Nichtregression“ zu wahren, also niemanden an der Grenze zurückzuweisen.)

          • Die Herkunftsländer verpflichten sich, ihre Staatsangehörigen wieder aufzunehmen, wenn sie in einem anderen Staat kein Bleiberecht haben.

          Andere Ziele sind eher im Interesse der Herkunftsländer:

          • Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften (“brain drain“) soll vermieden werden. • Die Wege regulärer Migration sollen ausgebaut, insbesondere durch regulierte „Arbeitskräftemobilität“ erleichtert werden.

          • Zielländer verpflichten sich, „einen sicheren Zugang zu Grundleistungen“ zu gewährleisten, wobei zugestanden wird, dass sich der Unterschied zwischen regulärer und irregulärer Migration auch in unterschiedlichem Leistungsniveau niederschlagen kann.

          • Auch der Zugang von Arbeitsmigranten zum „Sozialschutz“ ihrer Zielländer soll erleichtert werden, Ansprüche aus den Herkunftsländern sollen übertragbar sein.

          • Die Staaten verpflichten sich, die gegenseitige Anerkennung von „Fertigkeiten, Qualifikationen und Kompetenzen von Arbeitsmigranten auf allen Qualifikationsniveaus“ zu erleichtern.

          • Geldüberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer sollen erleichtert und gefördert werden.

          Das alles liege, so stellt der Pakt fest, im Interesse aller UN-Mitglieder, „den Bedürfnissen und Anliegen der jeweils anderen Rechnung zu tragen“. Nicht zu übersehen ist aber, dass alle 23 Ziele zuallererst im Interesse der Migranten liegen. Sie richten sich gegen Ausbeutung, Misshandlung, Diskriminierung, Schutzlosigkeit und Desinformation. (kum.)