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Linke Bands in Chemnitz : Jenseits des guten Geschmacks

Sänger der Band „Feine Sahne Fischfilet“, Jan Gorkow alias „Monchi“ Bild: EPA

Um den Rechten in Chemnitz etwas entgegen zu stellen, traten linke Bands auf, die teils aufgrund ihrer skandalösen Texte schockierten. Das ist nicht das richtige Maß, findet unser Autor.

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          Eigentlich hatte das Konzert vor einer Woche dazu beitragen wollen, dass Chemnitz zurück zu einem Gleichgewicht findet. Daher stand es – nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. und dessen Instrumentalisierung auf mehreren rechtsextremen Demonstrationen – unter dem Motto „Wir sind mehr“. Nun steht jedoch die Veranstaltung selbst in der Kritik, und zwar wegen der Auftritte von Bands, die sich wie K.I.Z. in einem geschmacklichen Grenzbereich bewegen oder die wie Feine Sahne Fischfilet (FSF) durch politische Radikalität geprägt sind. Mit in der Kritik steht damit auch der Bundespräsident, der das Konzert unterstützt hat. Dabei gerät manches durcheinander, was auch mit den Unterschieden zwischen der politischen und künstlerischen Diskursführung zu tun hat.

          Constantin van Lijnden
          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Die meisten kennen vom musikalischen Werk von FSF oder K.I.Z. wohl nicht mehr als die Zitate über „Bullenhelme“, die ihren Trägern vom Kopf geknüppelt werden, über „Journalistenfressen“, in die Messer gerammt werden, und über Eva Herrmann, die „grün und blau [gefickt]“ wird. Würde sich jemand mit den Texten auseinandersetzen, würde man auf viel mehr Zeilen stoßen, die man noch viel skandalöser fände – bis man es irgendwann aber nicht mehr täte. Die erste Begegnung mit solchen Darstellungsformen ist schockierender, als es die hundertste ist. Das gilt für Gewaltfilme, Pornographie und lyrische Tabubrüche gleichermaßen. Mit der Zeit stellt sich ein Abstumpfungseffekt ein, jedoch auch ein präziseres Verständnis der genre- und künstlerspezifischen Ästhetik solcher Texte.

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