https://www.faz.net/-gpf-9i2oa

Die Sprache der Gesetze : Warum Gesetze oft nicht schön, schlank und verständlich sind

Schöne Sprache hat unter Juristen den Ruf, nicht präzise zu sein. Doch stimmt das? (Symbolfoto) Bild: dpa

Substantivierungen, Passivkonstruktionen und Normen, die länger als eine Seite sind: Für Laien sind unsere Gesetze nur schwer zu entziffern. Oft brauchen selbst Juristen Hilfen dafür. Doch nicht immer ist das mangelndem Sprachgefühl und der Gewohnheit geschuldet.

          4 Min.

          Das Handwerkszeug von Juristen ist die Sprache. Was sie damit fertigen, ist selten elegant, zuweilen ziemlich klobig. Juristen haben einen Hang zu Substantivierungen und Passivkonstruktionen, weshalb ihre Texte oft wenig anschaulich sind. Manche Wortungetüme, wie zum Beispiel das Finanzmarktstabilisierungsfortentwicklungsgesetz oder das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz, haben es zu einiger Berühmtheit geschafft. Im Verbraucherschutzrecht gibt es Normen, die länger als eine Seite sind. Typisch für das Steuerrecht sind kafkaeske Verweisungsketten auf andere Paragraphen.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Zuweilen findet sich so etwas wie eine eigene Ästhetik. Besichtigen kann man die etwa in einem Paragraphen aus dem Stellvertretungsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch: „Tritt der Wille, in fremdem Namen zu handeln, nicht erkennbar hervor, so kommt der Mangel des Willens, im eigenen Namen zu handeln, nicht in Betracht.“ Das klingt komplizierter, als es ist, die Norm meint nur: Wer als Stellvertreter eine Erklärung abgibt, muss deutlich machen, dass er nicht für sich selbst handelt. Tut er das nicht, ist er selbst an seine Erklärung gebunden. Ästhetik hin oder her, problematischer ist, dass Juristendeutsch so schwer verständlich ist. Übrigens nicht nur für Laien: Juristen, die mit einer Norm zu tun haben, die sie vorher nicht kannten, wissen ohne Hilfsmittel oft auch nicht weiter. Dabei gehört zur Idee von Demokratie und Rechtsstaat, dass die Gebote und Verbote für die Bürger klar sind, damit sie sich überhaupt daran halten können.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Fahrbericht Fiat 500 E Cabrio : Schock verliebt

          Fiat baut den 500 einfach noch einmal. Jetzt aber mit Elektroantrieb, was der Lebensfreude in der Stadt arg zuträglich ist. Dann werfen wir auch noch das Dach zurück, offen gesagt: Bravo.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Sofie will nicht erkannt werden. Ihre Halbgeschwister wissen bis heute nicht von ihr.

          Kuckuckskinder : Mein Vater, der Fremde

          Kinder, die aus einem heimlichen Seitensprung hervorgehen, leiden darunter oft noch als Erwachsene. So ist es auch bei Sofie und Tobias.