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Thorsten Schäfer-Gümbel : Auf die ganz harte Tour

  • -Aktualisiert am

Thorsten Schäfer-Gümbel im hessischen Landtag in Wiesbaden Bild: dpa

Hessens SPD-Chef Schäfer Gümbel macht sich bereit für politische Kärrnerarbeit. Seine Sommerreise widmet er den Themen Arbeit und Wirtschaft. Dabei greift er auch Schwarz-Grün an.

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          Als der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) 2014 auf Sommerreise zum Thema „Lebenslanges Lernen“ war, da besuchte er ein Theater, einen Fußballverein, die Frankfurter Verkehrsgesellschaft. Die Journalisten, für die solche Reisen bestimmt sind, konnten den Schauspielern beim Proben zusehen, ein bisschen kicken, mit der Straßenbahn durch die Gegend fahren. Schön war’s! Nun Woche brach nun der hessische Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) zu einer ähnlichen Reise auf, zu einem ähnlichen Thema: Ausbildung. War auch schön, aber anders schön. Denn Schäfer-Gümbel wählte die härtere Tour: Morgens um zwanzig vor acht Uhr Gespräch mit Erzieherinnen in einer Wiesbadener Kita, danach Termine auf dem Frankfurter Flughafen und bei der Deutschen Flugsicherung. Dabei machte er immer wieder deutlich, warum er da sei: Ausbildung, Arbeit, Berufsorientierung, Fachkräftemangel.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Solche Reisen sind, wie Politiker sagen würden, „eine Herausforderung“. Die Politiker müssen sich, weil sie den ganzen Tag unter Beobachtung stehen, den ganzen Tag selbst beobachten. Gelingt ihnen das, wird über sie auch noch geschrieben: zu kontrolliert, unauthentisch. Viele flüchten sich deshalb in Humor oder Harmlosigkeit. Schäfer-Gümbel spricht über Kaffee. Kaffee ist sympathisch und ein guter Aufhänger, um die Welt über Twitter wissen zu lassen, wie früh man auf den Beinen ist. Schon am Morgen vor Abfahrt des Kleinbusses erzählt Schäfer-Gümbel, dass sich in seinem Dienstwagen eine „Zwölf-Volt-Kaffeemaschine“ befinde.

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          Als die Reisegruppe wenig später am Flughafen den fast kaffeebraungebrannten Fraport-Chef zum Kaffeefrühstück trifft, beendet Schäfer-Gümbel sein Kamerastatement mit dem Satz: „Und wir freuen uns auf einen Kaffee.“ Eigentlich hat er den Kaffee gar nicht nötig. Er ist auch so hellwach, und witzig kann er auch sein. Das deutet sich schon mit seinem Ausruf an: „Unsere erste Station ist wahrscheinlich der attraktivste Beruf in Deutschland: Feuerwehrmann bei Fraport!“ Man fragt sich zwar zunächst: Warum? Bis man dann leibhaftig vor den 1300-PS-Feuerwehrautokolossen steht, die früher beim Quartett alle Vierzigtonner ausgestochen haben. Der Chef der Feuerwehr sagt: „Das Rhein-Main-Gebiet ist leer.“ Er meint damit, es ist so voller Jobangebote, dass es selbst für die Flughafenfeuerwehr immer schwieriger wird, an Nachwuchs zu kommen.

          Auch bei Polizei könnte es etwas zu holen geben

          Eine Nachwuchskraft informiert den SPD-Fraktionsvorsitzenden darüber, was man heutzutage als Einstiegsgehalt bei Berufsfeuerwehren verdiene - den Angestelltentarif A 7. Schäfer-Gümbel sagt: „Frechheit.“ Das Thema Feuerwehr wird zu hundert Prozent von der hessischen CDU beansprucht. Insofern ist alles, was auf dem Gebiet im Argen liegen könnte, gut für die SPD, gut für Schäfer-Gümbel. Ihm ist klar: Wenn sein Landesverband von den zuletzt 27 Prozent in Richtung der angepeilten 35 Prozent kommen will, dann muss er noch mehr an die harten CDU-Themen ran. Der Flughafen gehört dazu, aber auch die Polizei, deren Stationen SPD-Landtagsabgeordnete alsbald im Rahmen von „Praxistagen“ aufsuchen werden. Schäfer-Gümbel würde es zwar so nie sagen, aber: Auch bei der Polizei könnte es für die SPD etwas zu holen geben. Man frage nur mal bei den vielen Beamten nach, die sauer sind auf die Landesregierung wegen der Nullrunde bei den Gehältern.

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