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Die Schulpolitik der CDU : Ein behutsamer Abschied von der Hauptschule

Planung in einer Frankfurter Hauptschule: Auf einer Magnettafel wird markiert, welche Lehrer welche Klassen unterrichten Bild: F.A.Z. / Linda Dreisen

Der CDU-Bundesvorstand hat ein neues Schulkonzept ohne Hauptschulen beschlossen. Danach tritt die CDU für den Erhalt des Gymnasiums sowie die Schaffung einer neuen Oberschule ein, die Haupt- und Realschule vereint.

          Nach einer lebhaften Debatte im Bundesvorstand hat die CDU am Montag ihren Leitantrag zur künftigen Bildungspolitik verabschiedet. Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) prognostizierte, das angestrebte Zwei-Säulen-Modell werde spätestens im Jahre 2020 verwirklicht sein. Die Landesverbände von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen setzten sich bei einer wesentlichen Änderung der bildungspolitischen Leitsätze durch. Neben Gymnasium und Oberschule als Verbindung von Haupt- und Realschule sollen demnach „integrative Systeme und funktionierende Haupt- und Realschulen vor Ort“ „respektiert“ werden, wenn sie dem Elternwillen entsprechen. Im Entwurf für den Leitantrag war zunächst nur vom „Respekt“ gegenüber integrativen Systemen die Rede gewesen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Zu den Kernpunkten im Leitantrag der CDU zählt nicht nur die langfristige Weiterentwicklung der bisher existierenden Schulformen zu einem Zwei-Säulen-Modell, sondern auch die höhere Verbindlichkeit der frühkindlichen Bildung. Daher wird die Union auch prüfen, ob ein verbindliches Vorschuljahr eingeführt werden soll. Zwar gehen in östlichen Ländern schon 96 Prozent der Kinder in einen Kindergarten, in westlichen Ländern liegen die Zahlen jedoch je nach Region weit niedriger.

          Um die Qualität des Unterrichts zu steigern, fordert die Union eine Exzellenzinitiative für die Lehrerbildung, eine weitere Internationalisierung des Wissenschaftssystems sowie eine stärkere Durchlässigkeit zwischen der beruflichen Bildung und den Hochschulen. Vor allem soll die Leistungsfähigkeit des dualen Berufsausbildungssystems gestärkt werden, um für alle Schulabgänger „attraktiv“ zu sein.

          Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

          Die Union wolle durch ihre Leitsätze wieder mit einer Stimme sprechen und ein stimmiges Konzept haben, das die Vielfalt in den Regionen zulasse, sagte Bundesbildungsministerin Schavan (CDU), die gemeinsam mit dem sächsischen Kultusminister Wöller (CDU) die Schriftkommission geleitet hatte. Entscheidend sei für die Union, ihre bildungspolitischen Leitsätze vom Kind und den Inhalten her zu denken, sagte Frau Schavan. Im Mittelpunkt stehe die vielfältig gebildete Persönlichkeit, nicht Strukturen oder Ideologien.

          Wöller sagte: „Wir wollen keine Einheitsschule für alle, sondern die richtige Schule für jeden.“ Die Oberschule werde den Hauptschul- und den Realschulgang mit entsprechenden Abschlüssen ermöglichen und damit für eine klare, übersichtliche Schulstruktur sorgen. Auf der schwäbischen Alb und im bayerischen Wald sei die Schülerzahl schon jetzt um ein Drittel gesunken, daher müsse sich die Union auf den demographischen Wandel in der nächsten Dekade vorbereiten. Kinder dürften nicht zu Versuchskaninchen und die Bildungspolitik nicht zu einem Versuchslabor werden, es gelte gerade in der Schulpolitik für Stetigkeit und Verlässlichkeit zu sorgen, sagte Wöller.

          Im Unterschied zu anderen Parteien setze die Union nicht auf Vereinheitlichung durch Niveausenkung. Die Union bejahe das achtjährige Gymnasium und werde sich auch in Zukunft einer weiteren Verkürzung der gymnasialen Schulzeit in den Klassen fünf und sechs durch längeres gemeinsames Lernen verweigern, sagte Generalsekretär Gröhe. Außerdem gehe es darum, die alternative Schulform zum Gymnasium zu stärken.

          Die Oberschule könne einerseits zu einem berufsqualifizierenden Abschluss, andererseits zur gymnasialen Oberstufe führen, sagte Gröhe, der darauf verwies, dass die bisherigen bildungspolitischen Leitsätze der Union vor elf Jahren beschlossen worden waren und dass der Parteitag in Karlsruhe 2010 entschieden habe, das Thema Bildungspolitik beim Bundesparteitag der CDU im November in Leipzig in den Mittelpunkt zu rücken. Im Unterschied zu anderen Parteien lege die Union ein klares Bekenntnis zur elterlichen Verantwortung ab.

          Frau Schavan sagte, die Leitsätze verschärften die Unterschiede zu anderen Parteien. Sämtliche bildungspolitische Innovationen der jüngsten Vergangenheit gingen auf die Union zurück, deren Ehrgeiz es auch in Zukunft sei, Vorreiter einer „nachhaltigen Bildungspolitik“ zu sein. Im Unterschied zu anderen Parteien ändere die Union nicht einfach die Etiketten von Schulformen, sondern setze auf pädagogische Konzepte und die Anschlussfähigkeit zur Sekundarstufe II. In Sachsen, das beim Beschluss des Zwei-Säulen-Modells Pate gestanden hat, sei die Frage der Bildungsgerechtigkeit besonders überzeugend beantwortet, sagte Frau Schavan.

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