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Treffen der Generationen : Großmutter

Einfach unentbehrlich: Die Großmutter nimmt einen wichtigen Platz in der Familie ein. Bild: Holde Schneider

Wer macht den besten Grießbrei? Tröstet und riecht gut? Spielt stundenlang Puppen-Krankenhaus? Jedes Enkelkind weiß das. Jede Mutter auch.

          Es ist Freitag, der Brückentag nach Himmelfahrt, die Grundschule hat zu, das Unternehmen nicht. Also sind die Großeltern schon morgens eingesprungen, nicht erst am Mittag wie sonst immer. Am Abend holen die Eltern die Kinder wieder bei Oma und Opa ab. Auf der Rückbank im Auto erzählen sie vom „Blütenstaubnebel“, den sie mit Oma aus der Fichte geschüttelt haben; vom Puppen-Krankenhaus im Gartenhäuschen; davon, wie viele Pfannkuchen jeder beim Mittagessen vertilgt hat. Die Eltern erfahren aber bei weitem nicht alles über den Tag. Die Kinder und ihre Großeltern haben mehrmals in der Woche ihr eigenes Leben. Ohne Mama und Papa, Tochter und Schwiegersohn. Das ist ein Glück für alle. Trotzdem mussten die Erwachsenen erst einmal ein paar Sachen lernen. Vor allem die beiden Frauen.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Enkel verändern das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Das erste Kindeskind macht die Mutter zur Großmutter, aber sie bleibt trotzdem Mutter, die Mutter ihrer Tochter. Die ist jetzt aber selbst auch Mutter. Und daran müssen sich beide Frauen gewöhnen, vor allem dann, wenn die Großmutter das Enkelkind oder die Enkelkinder regelmäßig betreut, weil die Eltern arbeiten gehen. Viele Großelternpaare kümmern sich gemeinsam um die Enkel, aber oft macht die Großmutter noch ein bisschen mehr – das bestätigen auch die engagiertesten Großväter.

          Sich selbst in der Mutterrolle zu beobachten heißt immer auch, sich mit der eigenen Mutter zu vergleichen, sich wiederzuerkennen und abzugrenzen. Auch die Großmutter vergleicht, legt ihre Maßstäbe an, wenn sie die eigene Tochter bei der Erziehung der Enkel beobachtet. Gleichzeitig behandelt sie die Enkel aber anders als einst die eigenen Kinder.

          Enkelliebe

          Früher gab es Naturjoghurt zum Nachtisch, heute kriegen die Kleinen Schokopudding. Wenn sie nicht „bitte“ oder „danke“ sagen, ist das schon in Ordnung. Es macht Großmüttern auch erstaunlich wenig aus, stundenlang auf dem Fußboden Playmobil-Figuren hin und her zu schieben und dabei kindliche Befehle zu befolgen: „Deine Figur hätte jetzt gestaunt und gesagt: ,Oh, da sind ja Ponys!‘. Und jetzt wäre dein Mann zur Koppel gelaufen und hätte gefragt: ,Wie heißt ihr denn?‘“ Mütter halten da deutlich kürzer durch.

          Die Enkel finden das alles großartig: Pudding, weniger Ermahnungen als zu Hause, und Oma springt nie plötzlich auf, um Wäsche aufzuhängen, etwas am Computer zu erledigen oder eine Sache unter Erwachsenen zu besprechen, was für die Kinder immer Sendepause bedeutet. Während Mütter immer auch noch anderes im Kopf haben und die Kinder regelmäßig auffordern, sich jetzt mal eine Weile allein zu beschäftigen, nehmen sich Großmütter für die Enkel frei von allen anderen Verpflichtungen. Sie lassen sich ganz auf die Kinder ein.

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