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Psychotherapie : Auf der Couch werden die Plätze knapp

Zwischen der Diagnose einer Krankheit und dem Behandlungsbeginn vergehen oft mehrere Wochen. Bild: és / LOOK-foto

Eine Reform bei der Psychotherapie sollte die Wartezeiten verkürzen, doch ein Jahr später brauchen Patienten immer noch viel Geduld – mögliche Lösungen sind teuer.

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          In der Ecke des Zimmers steht eine braune Ledercouch, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Bitte nehmen Sie doch Platz, legen Sie die Füße hoch, entspannen Sie sich – so läuft der Beginn einer Psychotherapiesitzung schließlich ab, wenn man den Bildern im Kopf glauben darf. Ewa Jonkisz, die Therapeutin, hat die Couch genau deshalb dort hingestellt, als Anspielung auf das Image der Psychotherapie. Damit neue Patienten etwas sehen, das sie zu kennen glauben. Denn wenn sie in ihrer Praxis im Frankfurter Westend einen neuen Patienten empfängt, bittet sie ihn, auf einem einfachen Sessel in der anderen Ecke des Raums Platz zu nehmen. Wobei das mit den neuen Patienten für Jonkisz immer schwieriger wird – sie sei ausgebucht, auf Monate hinaus, und freie Plätze gebe „eigentlich erst im neuen Jahr“ wieder.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Bundesweit vergehen im Durchschnitt fast fünf Monate, ehe ein erwachsener Patient eine Psychotherapie beginnen kann. Das hat kürzlich eine Umfrage der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) unter ihren Mitgliedern ergeben. In der Stadt bekommen Patienten zudem deutlich schneller einen Termin als auf dem Land, nur im Ruhrgebiet nicht, da dauert es auch in den Städten besonders lange, mehr als sieben Monate. Das alles sei ein „nicht hinnehmbarer Zustand“, sagte BPtK-Chef Dietrich Munz dieser Zeitung.

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