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Ausschreitungen in Köln : In der Höllenhitze der Nacht

Immer wieder hatte unter anderem Polizeipräsident Albers geäußert, es gebe keine Hinweise dafür, dass Flüchtlinge an den Exzessen beteiligt gewesen sein könnten. Auch im dienstlichen Protokoll des leitenden Bundespolizisten ist aber davon die Rede, dass zunächst festgesetzte Personen ihre Aufenthaltstitel mit einem Grinsen im Gesicht zerrissen hätten. „Ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen neuen“, soll einer der Männer gesagt haben. „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen“, ein anderer.

Erst nach 23 Uhr entschloss sich die Gesamteinsatzleitung der Landespolizei nach Rücksprache mit der Bundespolizei, die Domtreppe zu räumen, „um eine Massenpanik zu verhindern“, wie es später in einer Mitteilung der Kölner Polizei heißten sollte. Die Räumung begann gegen 23.30 Uhr. „Im Verlaufe der Räumung wurden die Einsatzkräfte Land und Bund immer wieder mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Flaschen beworfen“, heißt es im Protokoll des Bundespolizisten. Zeugenaussagen legen den Schluss nahe, dass das den Tätern unbeabsichtigt sogar noch in die Karten spielte. In der plötzlich entstandenen Enge rund um den Hauptbahnhof soll es zu besonders vielen sexuellen Übergriffen gekommen sein.

Um 4.00 Uhr beruhigte sich die Lage

Unterdessen kam die Räumung zunächst kaum voran. Erschwerend sei neben der Verständigung auch der körperliche Zustand „der Personen aufgrund des offensichtlich massiven Alkoholgenusses und anderer berauschender Mittel (z.B. Joint)“ hinzugekommen, erinnert sich der leitende Bundespolizist. Erst gegen 0.15 Uhr sei die Räumung abgeschlossen gewesen. Um 0.45 Uhr gab die Polizei den Zugang zum Bahnhof wieder frei. Gegen 1.00 Uhr gingen dann vermehrt Anzeigen von geschädigten Frauen ein. Zur selben Zeit beobachten Augenzeugen wie zwei ältere Damen begrapscht und ausgeraubt werden. Erst um 4.00 Uhr meldet die Polizei, die Lage habe sich abschließend beruhigt.

Es sei eine „chaotische und beschämende Situation in dieser Silvesternacht“ gewesen, formuliert der leitende Bundespolizist in seinem Bericht. Trotzdem gab die Kölner Polizei am Neujahrstag um 8.57 Uhr eine Pressemitteilung mit der Überschrift „Feiern weitgehend friedlich“ heraus. Die Räumung der Domtreppe wird als „ungeplante Feierpause“ beschrieben. Trotz diese Pause „gestaltete sich die Einsatzlage entspannt“. Laut Polizeipräsident Albers lagen der Pressesprecherin „die Informationen der in Rede stehenden Vorkommnisse nicht vor“, als sie ihre Mitteilung verschickte. Er selbst erfuhr über das Ausmaß der Exzesse am Morgen des Neujahrstags. Trotzdem ließ der Polizeipräsident keine Korrektur versenden.

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Um 13 Uhr versuchte die „Kölnische Rundschau“, bei der Opferberichte eingegangen waren, bei der Pressestelle nachzufragen. Doch die Pressestelle war nicht mehr besetzt. Zwei Stunden später bekam die Zeitung von der Leitstelle bestätigt, dass mehrere Anzeigen vorliegen. Noch einmal mehr als 24 Stunden brauchte das Polizeipräsidium, um dann am Samstag um 16.58 eine zweite Mitteilung in der Sache zu versenden. Und noch einmal zwei Tage verstrichen, bis der Polizeipräsident die Öffentlichkeit über das Ausmaß der Ereignisse unterrichtete. Bei einer Pressekonferenz am Montag sprach Albers von „Straftaten einer völlig neuen Dimension“. Bei den 1000 Tatverdächtigen handle es sich „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum stammende“ Männer.

Innenminister Jäger hat sich nach den vielfältigen Pannen der Kölner Polizei in der jüngsten Vergangenheit immer wieder vor seinen Parteifreund Albers gestellt. Das dürfte ihm nun schwerer fallen. Doch auch Jäger kommt immer heftiger in Bedrängnis. Wie die Zeitschrift „Focus“ unter Berufung eines „Einsatzleiter-Reports“ berichtet, soll Jägers Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste bei der Vorbereitung des Silvester-Einsatzes die Bitte der Kölner Polizei um eine zusätzliche Einsatzhundertschaft abgelehnt haben.

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