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Die Polizei im Einsatz gegen „Rot“ : „Wir wollen niemanden provozieren“

Kühlungsborn: Eine Spezialeinheit sichert den Badestrand Bild: dpa

Die Abwehr „autonomer“ Gewalttäter beim G-8-Gipfel in Heiligendamm erfordert einen enormen logistischen Aufwand der Polizei zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Peter Carstens berichtet aus der Kommandozentrale der „Kavala“.

          „2500 Demonstranten, 500 Rot“, meldet die Hundertschaft per Funk aus der Rostocker Innenstadt. Der leitende Polizeidirektor in der Einsatzzentrale lässt Verstärkung in die Hafengegend dirigieren. Bei ihm und seinem Stab laufen viele Fäden zusammen, er dirigiert das scheinbare Chaos.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Ein Dutzend Beamte sitzen um ihn herum an Computerarbeitsplätzen, ununterbrochen kommen und gehen Uniformierte, manche tragen schwere Schutzkleidungen, andere sind mit Aktenkoffern und goldenen Schulterabzeichen ausgestattet. Telefone summen, auf den Bildschirmen leuchten im Sekundentakt neue fünfzeilige Lagemeldungen aus dem Einsatzgebiet zwischen Kühlungsborn und Hoher Düne auf.

          Föderale Zuständigkeiten

          Den Einsatz im Abschnitt Rostock koordiniert Manfred Lohrbach, der mit seinem Stab in einem der VIP-Räume in den Oberrängen des Hansa-Stadions Quartier bezogen hat. Die Wände sind übersät von amtlichen Mitteilungen und Karten der Einsatzgebiete rund um den G-8-Gipfelort Heiligendamm, mit Telefonverzeichnissen, Verkehrsmeldungen, Diagrammen.

          Die Organisationslisten zu durchblicken, ist nicht ganz einfach, denn es gilt in diesen Tagen, Polizeihundertschaften, Wasserwerferverbände, Stäbe, Hubschraubergeschwader und Schiffe der Bundespolizei aus einem Dutzend Bundesländer zu koordinieren und vor allem zu einem undurchdringlichen Netz rund um den Treffpunkt der Staats- und Regierungschefs der G8-Industriestaaten zu verknüpfen. Hinzu kommen Hunderte Soldaten des Heeres und der Marine sowie Techniker, die mit Antennen, Stromgeneratoren und Wasserpumpen den Betrieb garantieren.

          Im heiligen Föderalismus deutscher Nation gilt bei Polizeieinsätzen allerdings das Gesetz der Länderzuständigkeit. Deshalb ist der oberste Befehlshaber der etwa sechzehntausend G8-Polizisten, Knut Abramowski, der Polizeipräsident der ziemlich kleinen Großstadt Rostock. Dessen politischer Vorgesetzter ist Landesinnenminister Caffier, ein gelernter Diplomingenieur für Landtechnik mit Organisationserfahrung als CDU-Generalsekretär in Mecklenburg-Vorpommern. Ihnen helfen erfahrene Einsatzleiter aus den Ländern und aus dem Innenministerium. Bisher wurde die Kooperation zumindest offiziell hochgelobt.

          Schwere Gerätschaften zu Wasser, zu Lande und in der Luft

          Die Kommandozentrale von Mecklenburg-Vorpommern heißt „Kavala“, so genannt nach einer griechischen Stadt mit ähnlich weißen Häusern wie denen in Heiligendamm. „Kavala“ klingt auch ein wenig nach Kavallerie. Allerdings hat die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Sinne zwar alle Zügel in der Hand, allerdings kaum eigene Pferde und Reiter.

          Das allermeiste für den großen Polizeieinsatz kommt aus anderen Bundesländern, vieles von der Bundespolizei, die über alle schweren Gerätschaften zu Wasser, zu Lande und in der Luft verfügt, die man dieser Tage für notwendig hält. Auf Wunsch werden die Einheiten aus Bayern, Baden-Württemberg oder Berlin dann jeweils der „Kavala“ unterstellt.

          Live-Bilder aus dem Beobachtungshubschrauber

          Etwa der grüne Konvoi, den man seit einigen Minuten auf einer Leinwand am Ende der Einsatzzentrale über die Lübecker Straße rollen sieht. Es sind drei Wasserwerfer und eine Reihe von Begleitfahrzeugen, die eben vom „EA Rostock“ in Marsch gesetzt wurden. Die Live-Bilder in der Einsatzzentrale kommen von einem Beobachtungshubschrauber, der über der Innenstadt schwebt. Er sendet Aufnahmen aus einer hochauflösenden Kamera.

          Für die Datenübertragung wurde in und um Heiligendamm eigens ein digitales Funknetz eingerichtet. Technische Einheiten sichern mit Antennenmasten die Übertragung in die verschiedenen Einsatzzentralen der Bundespolizei, die mit mehr als zweitausend Beamten beim G8-Gipfel eingesetzt ist. Neben dem Leitstand im Hansa-Stadion befinden sich weitere Stäbe am Flughafen Rostock-Lage, bei Warnemünde für den Küstenschutz und - als organisatorisches Dach - in Bad Bramstedt bei Hamburg.

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