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Die neue FDP : Herr Rösler und der Frosch

  • -Aktualisiert am

Philipp Rösler Bild: Thilo Rothacker

Der frisch gewählte FDP-Vorsitzende Philipp Rösler gilt als sympathisch und bescheiden. Wahrscheinlich ist er das. Aber er weiß auch, wie nützlich es ist, sympathisch und bescheiden zu wirken.

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          Philipp Rösler sitzt an einem Tisch im oberen Stock des Gesundheitsministeriums an der Friedrichstraße und lässt den Blick über die Plattenbauten von Berlin-Mitte schweifen. Es ist nicht der Ministertisch und nicht das Ministerbüro. „Mein Büro habe ich meiner Frau überlassen. Sie lernt gerade für ihre Facharztprüfung“, sagt er entschuldigend. Rösler träumt laut davon, wie es sein wird, wenn seine Frau die Prüfung hinter sich hat. Dass sie vielleicht auch in Berlin als Ärztin arbeiten oder zumindest häufiger in Berlin sein kann, und auch die Zwillingstöchter, die ja noch nicht schulpflichtig sind. Dass sie eine Wohnung mieten werden hier ganz in der Nähe. Dort, in diesem Plattenbau, dem er fast in die Fenster schauen kann. „Das wäre doch ideal“, sagt Rösler.

          Warum erzählt er das? Rösler sagt, dass Journalisten Politikern immer irgendeine Absicht unterstellen. Journalisten glaubten, dass Politiker immer daran dächten, wie etwas wirkt. Dass sie Spin-Doktoren und Medienberater haben, die ihnen sagen, dass sie in Talkshows nicht zu kurze Socken anziehen dürfen, damit man nicht die haarigen Beine sieht. Er sagt, wie wichtig es für ihn sei, authentisch zu sein. „Wenn man das nicht mehr kann, wenn man immer nur daran denkt, wie etwas wirkt – das geht gar nicht.“ Kann man mit zwei Journalisten zum Interview zusammensitzen und nicht daran denken, wie etwas wirkt?

          Wahrscheinlich sympathisch und bescheiden

          Wenn der Minister und Parteivorsitzende vom Plattenbau schwärmt, wirkt das sympathisch und bescheiden. Wer ihn kennt, sagt, Rösler sei sympathisch und bescheiden. Wahrscheinlich ist er sympathisch und bescheiden. Aber er weiß auch, wie nützlich es ist, sympathisch und bescheiden zu wirken. Er entscheidet, was er der Öffentlichkeit von sich zeigt. Rösler zeigt sich als Familienmensch. Wohl kein deutscher Politiker hat das so inbrünstig getan wie er, nicht einmal Ursula von der Leyen: Der Familienvater, der darunter leidet, dass seine Kinder mit dem Dreiklang „Papa, Arbeit, Berlin“ aufwachsen. Der Ehemann, bei dem die Frau mitentscheidet, ob er Parteivorsitzender wird. Der Sohn, der seinen Vater öffentlich „mein Papa“ nennt.

          Birgit Homburger
          Birgit Homburger : Bild: Thilo Rothacker

          Rösler sagt an diesem Freitag im April, dass er sehr schlecht beraten wäre, Wirtschaftsminister zu werden. Er wisse gar nicht, wie man auf so eine Idee kommen könne. Wieder ein halbes bis dreiviertel Jahr Einarbeiten. „Die Zeit habe ich nicht.“ Einen Monat später ist Rösler Wirtschaftsminister. Der Plattenbau wird auch jetzt noch praktisch für die Familie sein. Auf dem Weg ins neue Ministerium liegt dann die FDP-Parteizentrale direkt am Weg. Als Rösler sich am Freitag auf dem Parteitag der FDP, bevor er mit triumphalen 95 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt wird, in einer kurzen Bewerbungsansprache den Delegierten vorstellt, sagt er einen Satz, der aufhorchen lässt: „Deutschland ist meine Heimat.“ Familie, Glaube – Rösler ließ sich im Erwachsenenalter katholisch taufen, seine Ehefrau war die Taufpatin – und Heimat, das ist eine ziemlich konservative Trias für einen Liberalen.

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