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Jüdische Emigranten : Wiedergutmachung in den Mühlen der Bürokratie

Herr der Erlasse: Das Bundesinnenministerium in Berlin Bild: dpa

Vielen Nachkommen jüdischer Emigranten wurde die Einbürgerung verweigert. Das Innenministerium will abhelfen – doch es bleiben Ungerechtigkeiten bestehen.

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          Es hätte eine hinreißende Geschichte der Versöhnung werden können. Die Nachkommen einst in die Emigration getriebener deutscher Juden, die sich nach Jahrzehnten wieder zur verlorenen Heimat ihrer Großeltern hingezogen fühlen. Der deutsche Staat, der endlich begreift, wie lange er NS-Opfer noch nach 1945 diskriminierte und ihnen bürokratische Hürden in den Weg legte. Das alles in einem Moment, in dem sich Großbritannien, das vielen Verfolgten als Schutzmacht galt, vom europäischen Gedanken abwendet und Deutschland diese Rolle übernehmen könnte. Allein: Am Ende ist mal wieder niemand so recht zufrieden.

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          In Artikel 116 hatten die Mütter und Väter des Grundgesetzes einst festgeschrieben, dass alle, denen die Nazis die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen hatten, wieder eingebürgert werden können. Wiedergutmachung sollte geschehen, doch in den bürokratischen Mühlen der frühen Bundesrepublik wurde dieser Anspruch schnell kleingemahlen. Die Staatsbürgerschaft galt nicht als „entzogen“, wenn die NS-Flüchtlinge die Nationalität ihres Gastlandes angenommen und damit automatisch die deutsche aufgegeben hatten. Familien, die gerade noch mit dem Leben davongekommen waren, wurden behandelt, als hätten sie freiwillig ihre Heimat verlassen.

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