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Maskenpflicht : Der Schnutenpulli muss bleiben

  • -Aktualisiert am

Maskenpflicht – aus Verantwortung geboten. Bild: dpa

Maskentragen oder nicht? Das ist keine Frage des Glaubens, sondern der Vernunft und der Rücksicht. Es wäre unverantwortlich, die Mundschutzpflicht jetzt abzuschaffen.

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          Die Verweigerung des Maskentragens wird zunehmend zur Glaubensfrage für diejenigen, die gar nicht schnell genug zu einer fiktiven Normalität ohne Coronaviren zurückkehren wollen. Die Leidtragenden sind Kontrolleure in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Geschäftsleute, die ihre Kunden nicht verprellen wollen, aber auf der Maskenpflicht bestehen müssen, auch um ihre eigenen Mitarbeiter zu schützen. Dass nun die Wirtschaftsminister aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen dem „Konsumkiller Maske“ lieber die Gesundheitsfürsorge opfern wollen, ist unverantwortlich und kurzsichtig, denn ein zweiter Lockdown wäre nur schwer zu verkraften.

          Erinnert sich niemand mehr an die guten Wirkungen der frühen Maskenpflicht der Stadt Jena? Noch hat Mecklenburg-Vorpommern niedrige Infektionsraten. Doch wer sagt, dass die Lage nach dem Ende der Urlaubersaison mit überfüllten Stränden und Quartieren und Touristen aus allen Bundesländern so bleibt? Ein Blick über die Grenze genügt: Die Schweiz, die lange glaubte, auf Masken auch in öffentlichen Verkehrsmitteln verzichten zu können, ist in einigen Kantonen in eine zweite Infektionswelle geraten.

          Die Grenzorte in Süddeutschland sind zunehmend verärgert über einkaufende Schweizer, die nichts von der deutschen Maskenpflicht in Geschäften wissen wollen. Und auch in Österreich gehen die Infektionszahlen wieder hoch, dort ist man in einigen Teilen des Landes reumütig zur Maskenpflicht zurückgekehrt.

          Die Bundeskanzlerin, der Bundesgesundheitsminister und der bayerische Ministerpräsident und etwa die beiden SPD-Vorsitzenden bestehen weiter auf dem Maskentragen und haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf ihrer Seite: Masken können die Ausbreitung der Aerosole einschränken, wenn sie als echter „Schnutenpulli“ und nicht auf halb acht getragen werden. In der Kombination mit Testen und Abstandhalten gehören die Masken zu den Erfolgsfaktoren für anhaltend niedrige Infektionszahlen.

          Maskentragen mag unbequem sein, es ist aber keine Glaubensfrage – sondern notwendig, rücksichtsvoll und vernünftig.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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