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Parteitag in Erfurt : Die Linke ist moralisch bankrott

Protest gegen den G-7-Gipfel auf dem Parteitag der Linken in Erfurt Bild: dpa

Eine Ukrainerin wird ausgebuht, Putin gilt vielen als Anführer eines sozialistischen Bruderstaats. Diese Partei sollte in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

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          Das Grußwort einer Genossin aus der Ukraine legte das Ausmaß der linken Heuchelei offen. Die Frau, die selbst der linkssozialistischen Bewegung angehört, sprach zum Parteitag der Linken in Erfurt und beschrieb, was in ihrem Land los ist. Die Russlandfreunde in der Halle wollten sich die Realität aber weiter vom Leibe halten. Um nicht hören zu müssen, was sie nicht hören wollen, wurde die Ukrainerin ausgebuht.

          Die Linken reden von Solidarität, und man könnte froh sein, wenn es nur eine leere Hülse wäre. Viele sehen in Putin noch immer den Anführer eines sozialistischen Bruderstaats. Da können sich die Pragmatiker noch so anstrengen zu erklären, dass der russische Machthaber kein Linker ist.

          Selbst denen, die nicht völlig vernagelt sind, gelingt es nicht, über den Schatten ihres Antiamerikanismus zu springen. Das Äußerste, wozu die Linken sich durchringen, ist die Verurteilung von Völkerrechtsverstößen auf „beiden Seiten“. In Erfurt zeigte sich eine Partei im moralischen Bankrott.

          Die Führung der Linken hatte gehofft, dass von diesem Parteitag ein Aufbruchssignal ausgeht. Aber außer einem neuen Ko-Vorsitzenden ist alles beim Alten: Genossen streiten auf offener Bühne, stellen sich gegenseitig bloß. So verschwindet die Partei in der Bedeutungslosigkeit. Nach drei Tagen in Erfurt mit oft schwer erträglichen Debatten muss man sagen, dass das gut so wäre.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

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