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K-Frage in der Union : Ein verfrühter Rettungsversuch

Wird Annegret Kramp-Karrenbauer die nächste Kanzlerkandidatin der Union? Bild: AFP

Mit seinem frühen Vorstoß, Annegret Kramp-Karrenbauer solle Kanzlerkandidatin der Union werden, ist Ralph Brinkhaus der CDU-Chefin beigesprungen. Allerdings hat er damit auch den Eindruck von Nervosität in der Partei verstärkt.

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          Kanzlerkandidaturen sind ein heikles Thema. Über die Personalie wird frühzeitig spekuliert, wie es gerade das Beispiel der Grünen zeigt. Doch der richtige Zeitpunkt, die Nominierung bekanntzugeben, will gut gewählt sein. Denn sonst, so will es das Lehrbuch des politischen Strategen, wird der Kandidat oder die Kandidatin frühzeitig beschädigt.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die SPD weiß von solchen Überlegungen ein Lied zu singen. Sie ist bisher die Partei der Kanzlerkandidaten. Und deren Bekanntgabe verlief fast immer schief, vollzog sich oft entgegen aller selbst gegebenen Regeln gleichsam in Sturzgeburten. Das ging entweder zu Lasten des Kandidaten selbst oder brüskierte die Partei. Am Ende hat es in der Mehrzahl der Fälle mit der Eroberung des Kanzleramts durch einen Sozialdemokraten auch nicht geklappt. Die Union hatte es hingegen meistens leicht. Denn der Mann oder die Frau im Kanzleramt war in der Mehrzahl der Fälle dann auch der Kandidat oder die Kandidatin für die nächste Wahl. So war es mehrfach bei Helmut Kohl und ebenso bei Angela Merkel, auch wenn sie beim letzten Mal lange mit sich rang, ob sie noch einmal antreten solle.

          Doch seit einigen Wochen hat die K-Frage die Union erreicht. Das hat mit dem wackligen Zustand der großen Koalition zu tun, mit dem Schwächeln der CDU und mit Zweifeln an ihrer Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer.

          Ralph Brinkhaus, Chef der Unionsfraktion im Bundestag, hat jetzt einen Punkt gesetzt, sich festgelegt. Kramp-Karrenbauer werde „auch unsere nächste Kanzlerkandidatin sein“, sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Brinkhaus wird sich kaum eingebildet haben, mit diesem Satz die Diskussion über das Thema beenden zu können. Vielmehr ist er der angeschlagenen CDU-Chefin zur Seite gesprungen. Denn angesichts des mageren Ergebnisses bei der Europawahl, bei der die ersehnten 30 Prozent verfehlt wurden, ist das Zutrauen in der Partei nicht gewachsen, dass mit Kramp-Karrenbauer Wahlen und Mandate zu gewinnen sind. Das aber ist die entscheidende Frage für jede Partei, für die an das Regieren gewöhnte CDU allemal.

          Der Vorstoß trifft auch auf Skepsis

          Brinkhaus machte auch klar, dass die CDU-Vorsitzende selbst entscheiden werde, wie sie ihre Kanzlerkandidatur erreiche. Er schloss auch deren Eintritt ins Kabinett nicht aus. Angela Merkel hatte Kramp-Karrenbauer im Januar 2018 einen Posten im Kabinett angeboten, doch die wollte lieber CDU-Generalsekretärin werden. Einen Ministerposten lehnte die Parteivorsitzende bis zuletzt immer ab, auch wenn er Einfluss in der Regierung und mehr Profilierungschancen böte. Schließlich will sie sich ganz dem Neuaufbau der CDU widmen. Im Kabinett wäre sie zudem sichtbar der Bundeskanzlerin unterstellt, würde also ihre nominelle Unabhängigkeit aufgeben.

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