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Die Grünen und die K-Frage : Habeck, Baerbock – oder beide?

Zu einer einander ergänzenden Einheit verschmolzen: das Duo Annalena Baerbock und Robert Habeck beim Bundesparteitag 2019 in Bielefeld Bild: dpa

Ob die Grünen mit einem Spitzenduo oder mit einem Kanzlerkandidaten antreten, hängt von vielen Faktoren ab. Warum der Druck auf die Parteiführung wächst – und sie die Entscheidung hinauszögert.

          5 Min.

          Die Grünen reißen die Zwischenwände ein in ihrem Berliner Hauptquartier, schlagen morschen Deckenputz ab, ziehen neue Kabelstränge durch die Büroetagen. Im Staub der abgehauenen Gipskartonplatten steht ihr Bundesgeschäftsführer Michael Kellner, den Kopf mit einem grünen Bauhelm geschützt, und spricht den wohlüberlegten Satz, „zuerst bauen wir die Parteizentrale um, und dann das ganze Land“. In seiner Ankündigung fehlt ein Zwischenschritt: „... dann die ganze Partei.“ Das hätte Kellner zuerst sagen können. Aber das wäre auch bloß zur Hälfte wahr gewesen. Denn der drastische Wandel, den die grüne Partei gegenwärtig erlebt, geht nicht ausschließlich, nicht einmal überwiegend von ihrer Parteizentrale aus, dem würdigen Gründerzeit-Altbau am Neuen Tor in Berlin-Mitte, sondern auch von den veränderten Erwartungen der Wähler und der deutschen Öffentlichkeit an die Partei.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Nichts kennzeichnet die Dimension der Veränderungen so deutlich wie der Umstand, dass die Grünen sich veranlasst sehen, der Nation erstmals einen Kanzlerkandidaten zu präsentieren. Einen oder eine. Der Bedeutungszuwachs der Partei in den Meinungsumfragen und der öffentlichen Aufmerksamkeit zwingt sie zu einem Umbau ihrer Führungsstruktur, der weit gravierendere Folgen hat als die abgerissenen Trennwände in der Parteizentrale. Die Grünen sind seit dreißig Jahren groß geworden mit einem Macht-Misstrauen, das sie in der eigenen Organisation institutionalisiert haben durch Rotationsprinzipien für Mandate (lang schon aufgegeben) und durch die doppelte Besetzung von Führungspositionen. Die diente zugleich der Geschlechtergerechtigkeit und dem Austarieren der beiden mächtigen Parteiflügel.

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