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Terminal 3 Flughafen Frankfurt : Al-Wazir und die Kunst des Unmöglichen

  • -Aktualisiert am

Der Plan steht: Die dunklen Abschnitte der Gebäudesimulation zeigen den ersten Bauabschnitt des dritten Terminals. Bild: dpa

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir will kein drittes Flughafenterminal in Frankfurt. Trotzdem wird es wohl gebaut. Wie das also den grünen Wählern erklären?

          3 Min.

          Wenn man am Mittwoch mit einem x-beliebigen Politiker hätte tauschen müssen – Tarek Al-Wazir wäre nicht die beste Wahl gewesen. Der grüne Verkehrs- und Wirtschaftsminister Hessens musste das Unvermeidliche verkünden: dass er trotz aller Bemühungen keine allzu mächtigen Argumente in die Hand bekommen hat, um die Fraport AG doch noch vom Nichtbau eines dritten Terminals am Frankfurter Flughafen zu überzeugen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Vor der Landtagswahl im September 2013 hatte seine Partei den Wählern versprochen, sie werde sich gegen ein drittes Terminal verwenden. Die Begründung war, man müsse einen neuen Ausgleich schaffen zwischen den legitimen wirtschaftlichen Interessen und den ebenso legitimen Interessen der Menschen in der dicht besiedelten Region. Al-Wazir ist klug: Er drückte sich dabei gerade vorsichtig genug aus, dass man ihm daraus nach der Wahl keinen Strick würde drehen können. Schließlich wussten er und alle, die es wahrhaben wollten: Die Politik war gar nicht am Zug; dass Hessen der größte Anteilseigner der Fraport AG ist, ändert daran nichts. Das Terminal 3 ist längst planfestgestellt, der Fraport-Aufsichtsrat hat die Investition von knapp drei Milliarden Euro bewilligt und Baurecht, erteilt durch die Stadt Frankfurt, liegt auch vor. „Die Entscheidung, ob der Bau des T3 jetzt begonnen wird oder nicht, bleibt eine unternehmerische Entscheidung der Fraport“, hob Al-Wazir am Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des hessischen Landtags hervor.

          Es wäre eine große Überraschung, würde sich Fraport umstimmen lassen. Eine erste Reaktion fiel am Mittwoch entsprechend zurückhaltend aus. Schon im November hatte der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte das Nötige vor dem Landtag gesagt. „Die von uns bereits im September vorgestellten Gutachten zur Passagierentwicklung bestätigen die langfristige Wachstumserwartung für den Flughafen Frankfurt. Wir müssen bis zum Jahr 2021 mit einem Passagieraufkommen rechnen, bei dem die Kapazitäts- und Belastungsgrenzen der vorhandenen Terminalanlagen erreicht sein werden. Die rechtzeitige Inbetriebnahme des Terminals 3 ist daher notwendig, damit der Flughafen Frankfurt auch zukünftig die Qualitäts- und Servicestandards eines international führenden Flughafens bieten kann.“ Im Januar fügte Schulte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer mit dem Bau starten.“

          Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir muss nach der Vorstellung eines Gutachtens Stellung zum Bau eines dritten Terminals am Frankfurter Flughafen beziehen.

          Was will man dem als Landesregierung entgegensetzen, die, bei allem wirtschaftlichen Sachverstand, auf dem Feld des unternehmerischen Handelns doch eher ein Amateur ist? Das vermeintliche Zauberwort aus dem Koalitionsvertrag lautete „Bedarfsprüfung“. Konkret bedeutete das, dass Al-Wazir die Gutachten von Fraport einer weiteren Begutachtung – „Qualitätssicherung“ genannt – unterziehen ließ. Das Ergebnis stellte er nun am Mittwoch vor. Kurz zusammengefasst kann man sagen: An der Berechnungsmethode der von Fraport in Auftrag gegebenen Gutachten sei nichts auszusetzen, sie entspreche den anerkannten Regeln der Wissenschaft. Jedoch gehe sie von optimistischen Wirtschaftsprognosen aus, ein „Worst-Case-Szenario“ sei nicht erstellt worden. Auch fehle eine Kalibrierung, also der Nachweis, dass die verwendeten Modelle, wären sie in der Vergangenheit durchgerechnet worden, für die Gegenwart die richtigen Ergebnisse geliefert hätten. Letzteres ist nicht ganz trivial, denn die optimistischen Prognosen, die 2004 für das Planfeststellungsverfahren erstellt wurden, haben sich in den Folgejahren vor allem bei den Flugbewegungen, aber auch bei den Passagierzahlen bei weitem nicht bewahrheitet.

          Al-Wazir appellierte vor diesem Hintergrund an die kaufmännischen Tugenden der Fraport-Manager und riet ihnen, über eine abgespeckte Version – Aus- und Umbaumaßnahmen am Terminal 1 – noch einmal „vertieft“ zu diskutieren. Es gibt daran ein paar Haken und Auffälligkeiten: Zum einen hat Fraport die abgespeckte Version, mit der im Jahr drei Millionen Passagiere mehr als bisher am Gebäude abgefertigt werden könnten, längst selbst überprüfen lassen. Zum anderen würde mit der abgespeckten Variante nicht zuletzt Zeit gekauft; ein drittes Terminal könnte bei entsprechender Entwicklung trotzdem nötig werden. Das erwähnte auch Al-Wazir. Was bei all der betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise hingegen weitgehend außen vor blieb, war die Frage nach dem Wohl der Anwohner. Die soll auf anderen Feldern – Lärmpausen, Lärmobergrenzen, technische Verbesserungen – beantwortet werden. Da ist Politik dann wieder die Kunst des Möglichen. Al-Wazir hat in seinem alerten Vortrag am Mittwoch gezeigt, dass er auch die Kunst des Unmöglichen beherrscht.

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