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Die Gorch Fock : Das Schiff, das wir lieben

Per Email Ratschläge für den Kapitän von besorgten Eltern

Seit 55 Jahren ist die „Gorch Fock“ auf den Weltmeeren unterwegs, außerhalb der deutschen Gewässer in Nord- und Ostsee am häufigsten im Atlantischen Ozean. Die Dreimastbark hat ihre äußere Anmutung kaum verändert im Lauf der Jahrzehnte. Doch ansonsten hat sie sich so verändert, als hätte man versucht, einen Oldtimer mit Airbags, Drei-Punkt-Gurten und Einparkhilfen auszustatten.

Die Marine hat aber nicht nur das Schiff dem Sicherheitsbedürfnis angepasst. Seit einem Dreivierteljahr ragt vor der Offiziersschule in Flensburg-Mürwik das „Segelausbildungsgerät Mast und Takelage“ auf; ein Übungsbaum, an dem die Offiziersanwärter ihre ersten Enter-Übungen machen müssen. Aus der ersten Crew, die nach den Flensburger Trockenübungen den Praxistest an Bord erlebt hat, sagen die meisten, es sei doch ganz nützlich gewesen, an Land auf dem „SagMuT“ herumklettern zu können. Nur eine Obergefreite meint: „Ach, das hätt’s eigentlich nicht gebraucht.“ In ihrer Schulzeit in Sachsen war sie allerdings Amateurjudoka.

Doch die Ausbilder haben es meist nicht mit Judokas sondern mit der Computer- und Playstation-Generation zu tun. Sie merken das an der Fitness ihrer Schüler - und noch auf ganz andere Weise. Dank Satellitenortung per GPS kann jedermann auf bestimmten nautischen Websites verfolgen, wo sich das Schiff befindet, welchen Kurs es hat.

Die Segeloffiziere der „Gorch Fock“ berichten, sie hätten schon öfters E-Mails von Eltern und Verwandten mancher Offiziersanwärter erhalten, die sich empört erkundigten, warum denn das Schiff zwei Tage vor einem Hafen auf Reede liege und ihre Kinder so lange vom verdienten Landgang abgehalten würden. Auch Kapitän Risch, der Kommandant, erhält öfters ungebetene Ratschläge, welchen Kurs er besser gesteuert hätte. „Die besten Kapitäne“, sagt Risch, „sitzen immer an Land.“

„Hier muss ich keinen Stress künstlich generieren.“

Am Ende der Übungskletterei an Land steht ein Test. Es ist nicht der einzige. Neben dem allgemeinen Fitness-Nachweis, der am Anfang jeder Bundeswehrlaufbahn verlangt wird, und neben besonderen medizinischen Tauglichkeitsbescheinigungen prüft die Marine jetzt bei ihren künftigen Offizieren noch eigens die Ausdauer und die körperliche Wendigkeit. Der Ausbildungsstabsoffizier sagt, die bessere Vorbereitung der Kadetten, „die hat viel Last von dem Schiff genommen“.

Wer bei Lehrgangsbeginn im Sommer in den Körpertests ohne Mühe erfolgreich ist, darf schon im Oktober mit der ersten Crew auf die Reise gehen. Die anderen werden mit zusätzlichem Sport (bis zu 70 Sportstunden in den ersten Ausbildungsmonaten stehen künftig auf dem Flensburger Lehrplan) auf ein Ausdauerniveau gebracht, dass sie anschließend zur zweiten Riege stoßen können.

Kapitän Risch drückt es diplomatisch aus: „Wir haben bei uns eben einen Querschnitt aus den jungen Menschen in der Gesellschaft.“ Er beteuert, die „ganze Marine“ habe daran gearbeitet, „dieses Schiff im Dienst zu halten“. Natürlich könne man den Offizierskadetten beides, die Naturgewalten auf See und die Zumutungen eines Lebens in enger Gemeinschaft, die Seemannschaft und Charakterbildung auch mit anderen, eigens dazu entworfenen Übungen vermitteln. „Aber auf einem Segelschiff passiert das ganz natürlich“, sagt der Kommandant, „hier muss ich keinen Stress künstlich generieren.“

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