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Die Gorch Fock : Das Schiff, das wir lieben

Anweisungen wie „Hol dicht die Steuerbordbrassen!“ müssen klar verstanden werden - auch wenn die einfachen Flüstertüten keine Verstärker haben. Jeder Segeloffizier legt Wert auf eine individuelle Bemalung seiner Blechtüte. Frau Oberleutnant Mutscher hat eine blaue, mit der Silhouette von Kiel und dem Porträt von Käpt’n Blaubär. Oberleutnant Kathöfer hat eine rote und dazu die Weisheit: „si vis pacem, para bellum.“

Der Erste Offizier hat sich eine Grußformation für Hamburg ausgedacht, wo die „Gorch Fock“ die Schiffsparade zum Hafengeburtstag anführen soll. Einst stand die Mannschaft beim Einlaufen in den Rahen. Das gestattet das Dienstreglement nicht länger: Das Aufentern ohne dienstlichen Grund ist untersagt. Aber die Besatzung könnte sich doch übereinander in die Wanten stellen. Der EinsO hat das Schema auf ein Papier gemalt, die Bootsleute dirigieren ihre Männer - auch einige Frauen - an Deck anschließend auf den richtigen Platz in der unteren Takelage. Alle sind dabei mit ihren Gurten angeleint.

Und der Kommandant möchte auch noch etwas: Früher haben sie doch immer das „Gorch-Fock“-Lied gesungen. Das soll jetzt wieder eingeübt werden. Schließlich hat sich zur Begrüßung in Hamburg ein Kinderchor angesagt. Da wäre es doch schön, wenn man mit einem Ständchen antworten könnte. Damit die Sache klappt, stellt sich Kapitän Risch persönlich aufs Mitteldeck und gibt den Ton an: „Weiß ist das Schiff, das wir lieben ...“

Einmaliges Sicherheitssystem verhindert schlimme Unfälle

Die „Gorch Fock“ soll wieder kräftig strahlen. Der Absturz der Offiziersanwärterin im November 2010 hat das Schiff wilder hin und her geschleudert, als es jeder atlantische Herbststurm vermochte. An „eine schwere Zeit“ erinnert sich ein altgefahrener Obermaat. Damals, während der langen Rückreise des Schiffs aus Südamerika, hätten Eltern und Freunde immer wieder Neues am Telefon berichtet aus dem Wirbel, der um die „Gorch Fock“ in Deutschland entstanden war - „und wir wussten nicht, was wird“.

Nach der Rückkehr entwickelte eine kleine Gruppe von Schiffsoffizieren und Bootsmännern ein neues Sicherheitskonzept für das Schiff. Sie überprüften zusammen mit dem Germanischen Lloyd, einer Art Schiffs-TÜV, die Takelage, identifizierten Gefahrenstellen, holten Ratschläge ein von einem Prüfinstitut im Ruhrgebiet und einem Arbeitsmediziner in Aachen mit dem Spezialgebiet Bergsteigerunfälle - also Abstürze.

Die Ergebnisse der Erkundungsmission sind an Bord zu besichtigen. In den Übergängen von den Webleinen, also den Strickleitern zu beiden Seiten der Masten, zu den Salingen, den Plattformen im Mast, hängen jetzt rote Sicherungsseile, an die sich alle Besatzungsmitglieder, nicht nur die Offiziersanwärter, beim Aufentern einhaken müssen. Das Aufentern „dauert länger als früher“, sagt ein Obermaat. Früher hätten sie sich oft zu viert nebeneinander auf die Saling geschwungen, nun haben wegen der Sicherungsleine nur zwei Kletterer nebeneinander Platz.

Alle Besatzungsmitglieder und Anwärter, die im Mast und auf den Rahen arbeiten, tragen neue, verbesserte „Toppsgurte“, Sicherheitsgeschirre mit Spannleinen und Karabinerhaken. Die Lebensleine, die bei einem Ausrutschen oder Abgleiten den Absturz verhindern soll, ist außerdem mit einem „Bandfalldämpfer“ ausgerüstet, einem Sicherheitsband, das einen harten Sturz in einen Zeitlupenfall verwandeln soll. Das ganze Sicherheitssystem sei „einmalig auf der Welt“, schwärmt einer der Bootsmänner, die daran mitwirkten, „echte Pionierarbeit“. Wenn die Toppsgasten, also die Mitglieder der Segelcrew, zum Segelsetzen aufentern, klingt das beständige Klicken der Karabiner, als sei man in einem Freizeit-Klettergarten.

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