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FDP zurück im Parlament : Der Wunder-Lindner

Christian Lindner steht für den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag. Bild: Daniel Rosenthal

Die FDP ist wieder da, und schon in den wenigen Tagen seit der Wahl vermittelt sie den Eindruck, es gehe Freien Demokraten immer nur um das eine: um sie selbst. Und um ihren Vorsitzenden.

          Wahnsinn, die FDP ist wieder da. Nun auch im Bund und wohl bald in der Regierung. Vielleicht seit 1992, aber definitiv seit der Jahrtausendwende war sie die unterhaltsamste aller Parteien. Erst in der letzten Wahlperiode hat ihr die Union den Rang abgelaufen. Doch jetzt ist die FDP zurück, und in der kurzen Frist, die seit der Wahl verstrichen ist, hat sie es bereits vermocht, den Eindruck wiederherzustellen, es gehe Freien Demokraten immer um das eine: sie selbst. Und als stehe immer eines im Mittelpunkt: sie selbst. Und als beurteilten sie von daher: alles andere.

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dieses (möglicherweise nicht angestrebte) Ziel wurde mit einigen wenigen Zügen erreicht; alle hat Christian Lindner gemacht. Zum einen hat er die öffentliche Diskussion so beeinflusst, dass der Eindruck entstehen musste, die FDP interessierten schon vor dem Beginn der Sondierungen zu einer Koalition vor allem Posten. Besonders das Finanzministerium. Sodann hat Lindner über zwei zumindest nicht vollständig gescheiterten Mitgliedern der Bundesregierung mal eben den Daumen gesenkt, erst traf es einen Herrn Schäuble, dann eine Frau Merkel. Und schließlich hat Christian Lindner diese Woche schnell noch seine Lebenserinnerungen veröffentlicht. Zusammenfassung: Er findet sich nicht schlecht.

          Verlangt ja auch keiner. All das verlangt eigentlich keiner. Die FDP ist also wieder da. Das ist die Leistung ihrer neuen Führung. Eine herausragende Leistung, und in herausragender Weise Lindners Leistung. In seinem Buch legt er dar, wie er das hinbekommen hat. Was er an keiner Stelle sagt, ist, dass er die FDP nur retten konnte, weil er sie zerstört hat. Lindner benennt in seinem Buch alle möglichen Gründe dafür, warum die Freien Demokraten 2013 aus dem Bundestag flogen, und alle zutreffend. Doch diesen einen nicht. Die FDP bekam damals 4,8 Prozent. Mindestens die 0,2 Prozent, die ihr gefehlt haben, kann sich Lindner an die Fahne tackern. Wahrscheinlich mehr. Denn als er Ende 2011 seinen Posten als Generalsekretär hinschmiss, wurde dadurch auch dem Letzten klar, dass in der FDP-Führung, genannt die „Boygroup“, nichts mehr funktionierte. Die fassungslosen und entsetzten Reaktionen der damaligen FDP-Oldtimer auf Lindners Rücktritt verstärkten diese Wahrnehmung ungewollt noch.

          Vom Tode wiedererweckt

          Das bedeutet nicht, dass sein Schritt falsch war. Weder moralisch noch politisch. Aber er hat der FDP den Todesstoß versetzt. Und sie dann zum Leben erweckt. Und das war eine politische Glanzleistung. Falls irgendjemand das noch nicht mitbekommen haben sollte, kann er es in Lindners Buch nachlesen: wie er das gemacht hat und dass er das gemacht hat. Andere überlassen so etwas den Historikern, und sei es im Diktat. Lindner nicht. Auch das macht ja nichts, außer Eindruck. Nur welchen? Schiebt Lindner ein paar Tage nach der Wahl schon Panik, in Vergessenheit zu geraten?

          Natürlich war das Buch vorbereitet. Es ist aus drei Teilen gemischt. Lindner erklärt auf den Spuren nicht zuletzt Ralf Dahrendorfs sehr gut, was Liberalismus ist. Sehr gut, das heißt, durchaus nicht akademisch. Man versteht, dass er ein politisches Weltbild hat und was das für eines ist. Er behauptet nicht nur, dass liberaler Individualismus keine „Tarnvokabal für Egoismus“ sei, sondern er erklärt auch sehr gut, warum. Die Abgrenzung zu anderen Parteien gelingt ihm über eine optimistischere Sicht auf den Menschen. Von dorther definiert er die Freien Demokraten. Und sie sich. Wieder eine reife Leistung.

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