Die Honorarkonsuln im Palaissaal des Berliner Adlon-Hotels Bild: Tobias Kleinod
Champagner, rote Rosen und ein bisschen Entspannungspolitik. Ein Wochenende unter deutschen Honorarkonsuln.
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Am Anfang war Miss Germany. Bei der Wahl vor zehn Jahren saß auf dem besten Platz vor der Bühne ein Mann mit grau meliertem Haar, den der Boulevard als „den schönen Konsul“ und einen „Freund der schönen Frauen und schnellen Autos“ beschrieb. Er stellte sich uns als Honorarkonsul der Republik El Salvador vor. Im Hauptberuf baue er Shoppingcenter. Kürzlich habe er sich als weiteres Standbein eine Modelagentur zugelegt. Als die 24 Finalistinnen auf die Bühne kamen, zeigte er, dass sein Blick durch neuere feministische Entwicklungen noch nicht geschärft wurde. „In den jungen Jahren haben die schon so breite Ärsche. Wie soll denn das werden, wenn die erst mal Kinder bekommen?“ Oder: „Die Figur, mein Gott: Fließheck, kein Spoiler.“ Kurze Zeit später war in der „Bild“-Zeitung zu lesen, dass der „schöne Konsul“ seinen „Männertraum“ zerlegt habe: keine der Frauen, sondern einen Ferrari Fiorano 599 GTO, Neuwert 350.000 Euro.
Seitdem ließ uns das Thema Honorarkonsuln nicht mehr los. Kaum eine größere Affäre, in die nicht an irgendeinem Ende auch ein Honorarkonsul verstrickt war. In den „Panama Papers“ wimmelt es nur so vor Honorarkonsuln. Wen umarmte der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner mit herunterhängender Maske vor dem „Borchardt“ in Berlin? Steffen Göpel, Immobilienunternehmer aus Leipzig, früherer Rennfahrer und Honorarkonsul von Weißrussland. Welcher CDU-Politiker mit Faible für Markus Söder bot Bushido ein Praktikum an? Christian Freiherr von Stetten, Honorargeneralkonsul der Republik Malediven.
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