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40 Jahre Kampf gegen Gorleben

Von OLIVER GEORGI und DANIEL PILAR (Fotos)

8. Mai 2022 · Seit mehr als 40 Jahren kämpft eine Bürgerinitiative im Wendland gegen Atomkraft. Wie hält man das so lange durch?

Es ist kalt und nass im Wendland, und der Sturm der letzten Nacht hat den Wald so unbarmherzig geschüttelt, dass man auf der Straße über einen Teppich aus Nadeln und abgebrochenen Zweigen fährt. Kein Sonntag, an dem man gern vor die Tür geht, schon gar nicht für einen Kampf, der längst entschieden scheint. Doch von Widrigkeiten hat Elisabeth Hafner-Reckers sich noch nie abschrecken lassen. Der „Widerstand“, wie die 62 Jahre alte Frau und die anderen von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg es nennen, die seit mehr als vier Jahrzehnten gegen ein atomares Endlager und das Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben kämpfen, ist wichtiger als das bisschen Regen. Das ist heute nicht anders als in den 1980er-Jahren.

Nur Anhänger hatte der Widerstand schon mal mehr. „Sollen wir noch warten?“, fragt Hafner-Reckers, eine zierliche, leise Frau, deren Augen aber kämpferisch blitzen, wenn sie von den Castortransporten, dem „Atom-Klo“ und den vielen „Aktionen“ spricht, die sie hier über die Jahre dagegen organisiert haben. Doch mehr als eine Handvoll meist älterer Leute werden es heute nicht. Ziemlich nass und frierend stehen sie vor dem früheren Greenpeace-Schiff „Beluga“, das hier im Wald seit Jahren als mahnendes Symbol für Umweltschutz auf dem Trockenen liegt. Also läuft der kleine Trupp jetzt los, am Zaun entlang, hinter dem der Turm des aufgelassenen Erkundungsbergwerks in den Himmel ragt.

Unermüdlich: Seit 2009 marschieren die Mitglieder der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg jeden Sonntag um das Erkundungsbergwerk Gorleben herum, wo das deutsche Endlager für Atommüll entstehen sollte.
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