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Eröffnung der Elbphilharmonie : Hamburgs neues Wahrzeichen

Endlich fertig: Die Elbphilharmonie öffnet am Mittwoch ihre Tore für die Öffentlichkeit. Bild: Reuters

Erst Millionengrab, jetzt Juwel: Die Elbphilharmonie, „Elphi“ genannt, wird am heutigen Mittwoch eröffnet. Das neue Wahrzeichen Hamburgs steht auch für Politik, die sich nicht einschüchtern lässt.

          Alles an der Elbphilharmonie, an Hamburgs neuem Wahrzeichen, ist beeindruckend. Wer hätte das nach den schier endlosen Querelen gedacht. Der Glasbau mit seiner aus mehr als tausend Elementen bestehenden Fassade, der wie ein Juwel auf dem alten Backstein-Kaispeicher A thront – eine grandiose Komposition. Der große Konzertsaal mit 2100 Plätzen, wegen der Akustik ausgekleidet mit einer sogenannten weißen Haut – ein schon jetzt gefeierter Klangraum. Die Orgel – sie wird nur in Superlativen beschrieben. Der Ausblick über Hafen und Stadt von der „Plaza“ aus – überwältigend. Die Rolltreppe, Tube genannt, die 37 Meter hoch durch den alten Speicher hindurchführt und dabei eine interessante Biegung vollführt – eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die es zuvor noch nicht gab. Die Eigentumswohnungen, die Hotelzimmer mit weitem Blick über die Elbe – sie dürften ihren Nutzern ein Gefühl phantastischer Unwirklichkeit geben.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Allerdings beeindrucken auch die Kosten. Ein Konzertsaal für fast 800 Millionen Euro – auch das hat es noch nicht gegeben. Auf wunderbare Weise jedoch sind die Kosten und überhaupt all der Ärger der zurückliegenden Jahre vergessen. Der Hamburger Tourismusbetrieb ist sich sicher, dass sich die Kosten bald amortisiert haben.

          Die Elbphilharmonie, von den Hamburgern schon liebevoll „Elphi“ genannt, wird Besucher aus aller Welt anziehen. Demnächst zum G-20-Gipfel Anfang Juli sogar Donald Trump und Wladimir Putin. Die Konzerte sind auf Monate ausverkauft. Mehr als eine halbe Million Gäste wandelte bereits staunend auf der Aussichtsplattform zwischen Kaispeicher und Glasaufbau, der seit November eröffneten Plaza.

          Ohne die Politik wäre das Projekt nie zustande gekommen

          Hamburg feiert sich und spiegelt sich dabei in der riesigen Glasfassade. Vielleicht ist die Elbphilharmonie ja tatsächlich der entscheidende Baustein für das, was Hamburg schon immer sein wollte und trotz Hafen und Hanse nie so richtig wurde: Weltstadt.

          Die Elbphilharmonie ist allerdings auch ein Beispiel dafür, welche positive Rolle die vielgescholtene und mit Misstrauen beobachtete Politik für die Stadtentwicklung spielt. Der frühere Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte am Anfang des Jahrtausends die Idee aufgegriffen, ein solches Konzerthaus zu bauen. Hätte Beust damals gesagt, die Elbphilharmonie koste Abermillionen Euro, das Projekt wäre nie zustande gekommen. Vermutlich hätte der Bürgermeister gleich sein Amt verloren. Freilich konnte Beust es so genau auch nicht wissen, als er 2005 das Projekt vorstellte. So etwas wie die Elbphilharmonie ist schließlich noch nie zuvor gebaut worden.

          Scholz übernahm von Beust

          In den folgenden Jahren verloren die Hamburger ihre Lust an dem Bauwerk. Es war ihnen geradezu peinlich. Wurde Hamburg doch in einem Atemzug mit Berlin genannt, die Elbphilharmonie mit dem Flughafen Berlin Brandenburg. Die Elbphilharmonie stand für Missmanagement und für Verschwendung von Steuergeld, für die Unfähigkeit des Staates, solche Projekte vernünftig zu verwirklichen.

          Als Beust 2010 zurücktrat, dürfte die Elbphilharmonie nicht der ausschlaggebende Punkt für seine Entscheidung gewesen sein, aber doch einer von vielen. Es bedurfte der Führungsstärke seines Nachnachfolgers Olaf Scholz (SPD) und seiner leider wenige Wochen vor Elbphilharmonie-Eröffnung verstorbenen Kultursenatorin Barbara Kisseler, um eine völlig verfahrene Situation doch noch zu einem glücklichen Ende zu bringen.

          Wahrzeichen und Vorzeigeviertel: Die Elbphilharmonie throhnt über der Hamburger Hafencity.

          Führungsstärke hieß in diesem Fall aber auch, abermals zusätzliche 200 Millionen Euro in den Bau zu stecken. Die Kassenlage Hamburgs war dem günstig. So gelangen 2013 die Neuordnung auf der Baustelle und die feste Zusage: Am 11. Januar 2017 erklingt das erste Konzert. Danach lief alles ganz im Sinne von Scholz – geräuschlos, so dass der Ärger längst vergessen ist, der die Hamburger immerhin jahrelang zu dem machte, was sie am allerwenigsten mögen: zum Gespött für den Rest der Republik.

          Viele Projekte sind gescheitert

          Hamburg liebt mit einer gewissen Selbstgefälligkeit Projekte großartiger Art. Aber Kosten, Risiken und Unbill scheut der ehrbare Kaufmann dann doch. Andere Projekte sind gescheitert. Die Idee, die Universität komplett neu zu bauen, wurde durch die Universität selbst verworfen. Die Idee, Olympische Spiele nach Hamburg zu holen, wurde in einem Volksentscheid verworfen. Die Elbvertiefung ist ungewiss.

          Mahnungen des früheren SPD-Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi und einiger früherer Senatoren, endlich Hamburgs Entwicklung vom Hafen unabhängig zu machen und umfassend in moderne Technologien zu investieren – gehört, gelacht, gelocht.

          Heute ist Hamburg begeistert

          Im Fall Elbphilharmonie hat dagegen das Rathaus, hat der Bürgermeister, hat die sonst so vielgescholtene Politik entschieden. Das gilt für die gesamte Hafencity, jenes neue Hamburger Stadtviertel auf altem Hafengelände, dessen prächtiger Abschluss elbabwärts nun die Elbphilharmonie bildet. Die ersten Schritte dafür wurden geradezu konspirativ unternommen, damals durch den SPD-Bürgermeister Henning Voscherau, dem die Idee für die Hafencity zugeschrieben wird.

          Hätte es einen Volksentscheid über die Hafencity gegeben – sie wäre nicht gebaut worden. Heute aber sind die Hamburger begeistert. Auch dafür, für den hanseatischen Stolz, steht nun die Elbphilharmonie.

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