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Langzeit-Studie : Die Deutschen haben mehr Angst vor Trump als vor Terrorismus

Dunkle Wolken über Deutschland? Vor Naturkatastrophen fürchten sich 56 Prozent. Bild: dpa

Politische Probleme dominieren die Ängste der Bundesbürger. Laut einer Studie sind mehr Deutsche um das Handeln des amerikanischen Präsidenten besorgt als um die terroristische Bedrohung. Aber auch deutsche Politiker kommen nicht gut weg.

          2 Min.

          Mehr als zwei Drittel der Deutschen haben Angst, dass die Welt durch die Politik von Donald Trump gefährlicher wird. Damit ist das Handeln des amerikanischen Präsidenten die größte Sorge der Bundesbürger, wie eine am Donnerstag von der R+V Versicherung vorgestellte Langzeit-Studie zeigt. Auf Platz zwei folgt mit jeweils 63 Prozent die Sorge, dass die Behörden durch Flüchtlinge überfordert werden könnten sowie Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Fast genauso groß ist zudem die Angst vor überforderten Politikern. Sie ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozentpunkte auf 61 Prozent gestiegen.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          „Das ist für Deutschlands Politiker ein katastrophales Urteil“, sagte Manfred G. Schmidt, Professor und Politologe an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg in einer Pressemitteilung der Versicherung. Hinzukommt, dass fast die Hälfte der Befragten die Arbeit der Politiker mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet, während nicht einmal sechs Prozent ein „gut“ oder „sehr gut“ vergeben haben. Im Schnitt erhielten sie die Schulnote 4,3. Allerdings wurden die Politiker in den vergangenen zehn Jahren nie besser als mit einer 3,9 benotet.

          Diese innenpolitischen Sorgen werden jedoch übertrumpft vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump: „Trumps rabiate ‚America First‘-Politik, seine Aggression gegen internationale Arrangements und die nicht minder aggressive Handels- und Sicherheitspolitik auch gegenüber Verbündeten verschrecken die Bevölkerungsmehrheit“, erklärt Schmidt. Trumps Attacken gegen Deutschland wirkten dabei verstärkend. Die Frage zur amerikanischen Politik wurde in diesem Jahr zum ersten Mal gestellt, erreichte aber nach Angaben der Forscher einen der höchsten Werte, die in der Ängste-Studie bislang gemessen wurde.

           „Unmittelbar nach Attentaten ist die Furcht größer“

          Gesunken ist indes die Angst vor terroristischen Anschlägen. Mit mehr als 70 Prozent war sie in den vergangenen beiden Jahren jeweils die größte Sorge der Deutschen. Dass der Wert in diesem Jahr auf 59 Prozent gesunken ist, liegt wohl an der zuletzt ruhigen Sicherheitslage. „Aus der Langzeitbeobachtung wissen wir, dass die Ängste von aktuellen Ereignissen und der Präsenz in den Medien beeinflusst werden. Unmittelbar nach spektakulären Attentaten ist die Furcht dementsprechend größer“, erklärt Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V Infocenters. Auch die Angst vor der Ausbreitung von politischem Extremismus ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken: Darum sorgen sich 57 Prozent, fünf Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.

          Darüber hinaus fürchten die Deutschen eine Gefährdung des Euros durch die EU-Schuldenkrise (58 Prozent), Naturkatastrophen (56 Prozent), Schadstoffe in Nahrungsmitteln (55 Prozent) sowie im Alter zum Pflegefall zu werden (52 Prozent). Diese Ängste haben sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert.

          Um eine Verschlechterung der Wirtschaftslage sorgen sich 39 Prozent der Befragten, ein Viertel fürchtet sich vor eigener Arbeitslosigkeit. Am wenigsten Angst haben die Bundesbürger davor, dass ihre eigene Partnerschaft zerbricht. Hier lag der Wert lediglich bei 18 Prozent.

          Jüngere sind weniger ängstlich

          Insgesamt befragte die R+V Versicherung zwischen Anfang Juni und Mitte Juli 2.335 Personen im Alter ab 14 Jahren. Die Befragten mussten in persönlichen Interviews geschlossene Fragen zu 21 Themen auf einer Skala von 1 (gar keine Angst) bis 7 (sehr große Angst) beantworten. Für die Auswertung fassten die Forscher die Werte 5, 6 und 7 als „große Angst“ zusammen. Die Studie ist nach Angaben der Versicherung repräsentativ.

          Ein Blick auf die Befragten zeigt dabei, dass Frauen im Schnitt besorgter sind als Männer. Lag der Mittelwert bei den Teilnehmerinnen bei 50 Prozent, waren es bei den Männern nur 43. Befragte zwischen 14 und 19 Jahren waren mit 30 Prozent zudem weniger ängstlich als die höheren Altersgruppen, die auf Werte zwischen 46 und 49 Prozent kommen. Im Ost-West-Vergleich hingegen fällt insbesondere auf, dass die Angst vor der Überforderung der Behörden durch Flüchtlinge im Osten sowie vor der Überforderung der Politiker um je sieben Prozentpunkte höher ist als im Westen.

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