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Demos zum AfD-Parteitag : Kein Chaos, dafür Karnevalsstimmung

10.000 Teilnehmer demonstrierten am Samstag in Köln gegen den Parteitag der AfD. Bild: dpa

Kurz sieht es am Morgen aus, als könnte alles ins Chaos kippen. Doch dann nimmt die Demonstration gegen den AfD-Parteitag in Köln fast schon Volksfestcharakter an.

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          Am Mittag gibt Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies ein Interview. In den zurückliegenden Tagen war er nicht müde geworden, die Gefährlichkeit dieses Samstags zu betonen und die Belastung, der seine Behörde dadurch ausgesetzt ist. Jetzt wirkt er erleichtert, lächelt sogar an einer Stelle. Seine Botschaft: Es ist friedlich und vieles deutet darauf hin, dass es friedlich bleibt. So viel Optimismus will der Polizeisprecher wenig später noch nicht verbreiten, er spricht davon, in der Stadt könnten immer noch Gewaltbereite sein. Keine komplette Entwarnung also, aber die ganz große Panik ist abgesagt.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Köln stand unter massiver Beobachtung. Dafür gab es verschiedene Gründe: Weil in drei Wochen in Nordrhein-Westfalen gewählt wird und der oberste Dienstherr der Polizei der Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) ist – nach einigen Pannen kann er sich in seinem Zuständigkeitsbereich keine Fehler mehr erlauben. Aber auch, weil gerade die Kölner Polizei bei den Hooligan-Protesten 2014 und der Silvesternacht 2015 ein denkbar schlechtes Bild abgeliefert hat. Erst aus diesem Grund war Mathies überhaupt Polizeipräsident geworden – sein Vorgänger musste in Folge der Silvesternacht zurücktreten.

          Kurz sieht es nach Chaos aus

          Dabei sieht es am Samstagmorgen kurz so aus, als könnte der Tag im Chaos enden. Um sechs Uhr trifft sich im Stadtteil Deutz eine Gruppe, von der die Polizei später sagt, sie sei in Teilen der linksextremen Szene zuzurechnen. In einem Sternmarsch mit anderen Gruppen wollen sie zum Maritim-Hotel laufen, in dem die AfD sich auf der anderen Rheinseite zum Parteitag trifft. Sie marschieren also auf die Straßensperre zu, die die Polizei vor der Deutzer Brücke errichtet hat, und versuchen, die Beamten zu überrennen – erfolglos. Zur gleichen Zeit brennen Autoreifen bei der nahegelegenen Fachhochschule in Deutz. Etwas später treffen Polizei und Demonstranten am Rheinufertunnel aufeinander, es kommt zur kurzen heftigen Konfrontation. Dann passiert wenig, beide Seiten harren aus. Auf dem Heumarkt, direkt gegenüber des Maritim-Hotels, versammeln sich Teilnehmer der Kundgebung „Köln gegen rechts“. Gewalt lehnen sie ab, Ziel sei es aber, durch „kreativen Protest“ den Parteitag zu verhindern. Die Stimmung auf beiden Seiten, bei Demonstranten und Polizisten, ist angespannt.

          Das Tagungshotel der AfD ist weiträumig abgesperrt. Die sonst viel befahrenen Straßen im Umkreis sind für den Verkehr blockiert, die Straßenbahnhaltestelle ist außer Betrieb. Trotzdem müssen die Delegierten, die zum Parteitag wollen, an den Demonstranten vorbei. Bei einem Parteifunktionär, der vorbeiläuft, rufen sie „Wir wollen keine Nazischweine“. Die Polizisten schützen ihn, um auf die andere Seite der Absperrung zu kommen. Manche der Parteitagsteilnehmer hatten so etwas schon erwartet und waren besonders früh gekommen. Andere nahmen es wie zwei Berliner Delegierte, die rauchend vor dem Hotel standen, und reagierten wenig beeindruckt: „Das kann uns nix“, sagt einer der beiden. „Das ist eben der typische linke Krawalltourismus.“ Zur gleichen Zeit versuchte ein Demonstrant einen Delegierten mit einer Holzlatte zu treffen, ein Polizist griff ein. Fensterscheiben gingen später auch zu Bruch, als der Demonstrationszug durch die Stadt lief.

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