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Moschee-Steuer : Die Debatte ist ein gutes Zeichen

Gläubige beten in der Mevlana-Moschee in Berlin-Kreuzberg (Symbolbild). Bild: dpa

Auch wenn nicht jeder Moscheeverein oder jeder Dachverband eine Körperschaft öffentlichen Rechts werden möchte, ist die Diskussion ein Indiz für einen Zivilisierungsprozess – den auch das Christentum durchlaufen musste.

          Moscheen, in denen Imame von Gnaden der türkischen Religionsbehörde eine Art Staatsislam predigen und nebenbei nach politischen Gegnern von Präsident Erdogan Ausschau halten; Gebetsräume, in denen zwielichtige Prediger, die auf undurchsichtige Weise aus den Golfmonarchien finanziert werden, einen Islam etwa nach Gusto des saudischen Herrscherhauses propagieren; Konvertiten aus aller Herren Ländern, die auf einen Islam schwören, der radikaler ist als so ziemlich alles, was ein gewöhnlicher Muslim jemals gelernt hat – all das und noch viel mehr gehört zum Islam des 21. Jahrhunderts.

          Ob er damit eine politischere Religion ist als das Christentum, sei ebenso dahingestellt wie die kühne Behauptung, der Islam gehöre zu Deutschland. Nicht aber, dass sich viele Spielarten des Islams noch immer als leicht politisierbar erweisen und Muslime, die in Deutschland leben oder gar die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, a priori denselben grundrechtlichen Schutz genießen wie Christen oder Juden. Das Religionsverfassungsrecht des Grundgesetzes verdankt seine Entstehung zwar letztlich der Konfessionalisierung des Christentums. Aber im Ergebnis kennt die deutsche Verfassung keine Kirchen, sondern „nur“ Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.

          Wem dieser Status und dessen Rechtsfolgen als Ausfluss der korporativen Religionsfreiheit zukommen, ist zu einem nicht geringen Teil Auslegungs- und Aushandlungssache. Schließlich möchte nicht jeder Moscheeverein eine Körperschaft öffentlichen Rechts werden, und ein Dachverband von Moscheegemeinden ist nicht automatisch eine Religionsgemeinschaft. Aber es ist ein gutes Zeichen, dass über Fragen wie diese vernehmlich nachgedacht, über sie in Parlamenten debattiert und vor Gericht gestritten wird. Denn auch das ist ein Indiz für jenen Zivilisierungsprozess von Religion, den das Christentum in unseren Breiten durchlaufen hat – der Prozess war lang und schmerzvoll. Geld ist dabei nicht alles, aber ohne Geld ist Bildung als der eigentliche Schlüssel zu religiöser Autonomie kaum zu haben. Ob das Geld als Steuer vom Staat eingezogen werden kann oder wie das „Kirchgeld“ der Gemeinde am Ort gespendet wird, ist zweitrangig – Hauptsache, es dient dazu, dass die Muslime hierzulande nicht länger als Objekte religionskultureller Fremdbestimmung herhalten, sondern Subjekte ihres Glaubens werden.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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