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CSU-Online-Mitgliedschaft : Die Söder-Flamme am Züngeln halten

  • -Aktualisiert am

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Parteivorsitzender, Mitte Mai 2020 bei einer CSU-Vorstandssitzung in München Bild: dpa

Schon seit September kann man deutschlandweit CSU-Online-Mitglied werden, mit eingeschränkten Rechten. Kurz nach dem Streit um die K-Frage meldet die Partei einen „sprunghaften Anstieg“ – will das aber nicht als Sticheln verstanden wissen.

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          Dass die CSU sich nach der jüngsten Niederlage gegen die Schwester nicht verkrochen hat und nach wie vor in der Lage ist, die Phantasien der Menschen zu befeuern, zeigte ihr Tweet vom Donnerstag: „Jetzt deutschlandweit Online-Mitglied werden und Markus Söder unterstützen!“ Deutschlandweit?

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Auf Twitter wurde das prompt aufgegriffen. Nils Markwardt, Leitender Redakteur beim „Philosophie Magazin“, schaute in die Zukunft: „Next Step: Bayern stellt im großen Stil Pässe an Nordrhein-Westfalen und Berliner aus, um dann mittels der ,freiwilligen‘ Franz-Josef-Strauß-Miliz in Düsseldorf und Berlin ,zum Schutz der eigenen Bevölkerung’ intervenieren zu können.“ Söder-Biografin Anna Clauß fragte gar, ob sich die „CSU-Landesleitung“ – auch das schon ein überaus anmaßender Begriff, denn so nennt sich die Parteizentrale – „München bald in ,Online-Kanzleramt‘ umbenennt“.

          Die CSU reagierte so, wie ihr Vorsitzender auf Nachfragen nach Sticheleien in Richtung Armin Laschet zu reagieren pflegt: War da was? Wortwörtlich heißt es aus der „Landesleitung“: Mit der CSU-Online-Mitgliedschaft bestehe die Möglichkeit, sich digital in die Parteiarbeit einzubringen. Damit verbunden sei eine „enge Einbindung durch einen exklusiven Zugang zu Informationen und die Beteiligung an Online-Umfragen sowie Online-Schulungen“.

          Zudem könnten Online-Mitglieder an weiteren Online-Formaten und digitalen Parteievents teilnehmen. Jedoch: „Anders als ein Vollmitglied gehört ein Online-Mitglied keinem Ortsverband der CSU an und hat somit in den örtlichen Verbänden keine Mitwirkungsmöglichkeit und kein Stimmrecht.“

          Erstes Online-Mitglied: Paul Ziemiak

          CSU-Generalsekretär Markus Blume weist gegenüber der F.A.Z. außerdem darauf hin, dass es die deutschlandweite Online-Mitgliedschaft schon seit September 2020 gebe und dass das erste Online-Mitglied der CSU Paul Ziemiak, der Generalsekretär der CDU, gewesen sei. Blume lässt aber auch nicht unerwähnt, dass „die CSU und ihr Vorsitzender Dr. Markus Söder in den vergangenen Wochen viel Zuspruch aus ganz Deutschland erfahren haben“. Die CSU freue sich auch, dass die Online-Mitgliedschaft „nun vermehrt nachgefragt wird“.

          Konkrete Zahlen könnten aufgrund der zeitversetzten Erfassung und Bearbeitung der Anträge noch nicht genannt werden. „Allerdings“, so Blume, „ist seit Montag ein sprunghafter Anstieg bei den Mitgliedsanträgen erkennbar. Die CSU kommt bei der Bearbeitung derzeit kaum hinterher. Es sind in den vergangenen Tagen mehrere hundert Anträge eingegangen.“

          Das scheint in die Landschaft zu passen. So hat eine Insa-Umfrage im Auftrag der „Bild-Zeitung“ gerade ergeben, dass im Fall, dass CDU und CSU getrennt bei der Bundestagswahl anträten, die CDU auf ganze zehn Prozent käme, die CSU hingegen auf 24.

          Aber Umfragen sind Momentaufnahmen, und je schlechter sie für die CDU sind, desto besser für Laschet, das hat sich zuletzt ja gezeigt. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch zu sehen, dass nun die Junge Union, die im Kandidatenstreit zu Söder tendierte, eine Amtszeitbegrenzung des Bundeskanzlers auf drei Amtsperioden fordert. Nach zwölf Jahren Laschet wäre Söder, der nach eigener Aussage einer „anderen Generation“ als der CDU-Chef angehört, gerade mal 66. Da kann er danach noch locker Bundeskanzler und Bundespräsident werden.

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