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CDU und Islam : U wie Integration

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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit muslimischen Mädchen während ihrer Indonesienreise 2012 Bild: dpa

Was bedeutet das U im Namen von CDU und CSU? Im Rückblick auf die Vergangenheit der Union – eine Chance, das christliche Abendland um einen zivilisierten Islam zu erweitern.

          Als Lorenz Caffier, der CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, im vergangenen Wahlkampf den Slogan wählte: „C wie Zukunft“, gab es viele Lacher. In der CDU wisse wohl niemand mehr, wofür das C stehe, hieß es. Auch wer sich in CDU und CSU für Flüchtlinge muslimischen Glaubens engagiert, muss sich diese Frage immer wieder gefallen lassen. Seit Beginn der Flüchtlingskrise müht sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber auf seinem Blog „Schwarzer Peter“ damit ab, das C zu erklären. Dabei wissen die meisten Deutschen noch, was ein Christ ist. Das Unbekannte im Namen von CDU und CSU ist nicht das C, sondern das U für Union. Was bedeutet es?

          Sogar Parteimitglieder geraten ins Stocken, wenn man sie danach fragt. Nicht wenige glauben, mit Union sei die Fraktionsgemeinschaft mit der CSU gemeint. Stimmt aber nicht. Gemeint ist die Union der Christen verschiedener Konfessionen. Auf der Homepage der CDU findet sich die Erklärung im dürren Satz, Ziel der Partei sei gewesen, „alle christlich orientierten Kräfte in einer ,Union‘ zu sammeln“. Das U steht also für ein Bündnis von Katholiken und Protestanten, das es so noch nie gegeben hatte. Ein Unions-christ war bereit, vom Unterschied der Konfessionen abzusehen und mit dem anderen Lager unter dem Dach einer Partei gemeinsame Sache zu machen. Im Zeitalter der Ökumene erscheint das trivial. Wie holprig diese Union von Katholiken und Protestanten nach dem Krieg in der CDU und ihrer bayerischen Schwesterpartei zunächst anlief, ist im öffentlichen Bewusstsein beinahe vergessen. Die Partei wurde ein Riesenerfolg.

          Ein größerer gesellschaftlicher Zusammenschluss

          Dabei war Deutschland von der Reichsgründung an ein konfessionell gespaltenes Land unter protestantischer Führung auf einem längst konfessionell gespaltenen Kontinent. Wer wen im Dreißigjährigen Krieg massakrierte, entschied allein die Konfession. Die Reformation hatte ganz Europa in einen Glaubenskrieg geführt, der noch im preußisch-protestantischen Kulturkampf Bismarcks gegen die katholische Kirche nachhallte. Und sogar weit in das 20. Jahrhundert hinein. Noch in den sechziger Jahren waren Ehen zwischen Katholiken und Protestanten in vielen Gegenden verpönt.

          Dazu kam das Erbe des Nationalsozialismus. In Landesteilen mit protestantischer Bevölkerungsmehrheit war der Anteil von Nazi-Wählern wesentlich höher als in katholischen. „Politischer Katholizismus“ war in der Hitler-Diktatur ein Verfolgungsgrund. Auch das war Anlass zu Misstrauen zwischen den Konfessionen. Außerdem hatten sich die Kräfteverhältnisse durch den Verlust der mehrheitlich protestantischen Ostgebiete zahlenmäßig zugunsten der Katholiken verschoben. Erst vor diesem Hintergrund wird klar, was für ein gewagtes Experiment diese Union war. Es knirschte gewaltig. Im ersten Bundeskabinett saßen neun Katholiken und nur fünf Protestanten. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler, war ein ehemaliger Zentrum-Mann. Der hessische Kirchenpräsident Martin Niemöller giftete 1949, eine „Fortdauer des westdeutschen Staates“ würde „den Tod des kontinentalen Protestantismus“ bedeuten. Und der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher sah die Katholiken sogar als „fünfte Besatzungsmacht“. Doch die Gründer von CDU und CSU ahnten, dass eine katholische Milieupartei ebenso wenig Bestand haben würde wie eine reine Klientelpartei. Sie suchten einen größeren gesellschaftlichen Zusammenschluss.

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