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AKK weiht ein : Die Bundeswehr bekommt ein Kommando für den Weltraum

Verteidigungsministerin, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), stellt am Dienstag das Weltraumkommando der Bundeswehr in Uedem in Dienst. Bild: dpa

Die Bedeutung des Orbits wächst rasant. Satelliten werden gegen militärische Angriffe immer verwundbarer. Für eine Einheit der Bundeswehr ist der Weltraum von nun an Operationsgebiet.

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          Die Bundeswehr bekommt eine Kommandobehörde für den Weltraum. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat zu diesem Zweck am Dienstag in Uedem bei Kalkar eine Einheit offiziell in Dienst gestellt, deren Anfänge sie bereits im Vorjahr am selben Ort in einem Container besichtigt hatte. Unter gemeinsamem Betrieb von Luftwaffe und Cyber-Kommando soll dort in Zukunft ein „Weltraumoperationszentrum“ („Air and Space Operations Centre“/ASOC) das Geschehen im näheren und ferneren All beobachten.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          In Kalkar befindet sich bereits das Zentrum Luftoperationen (ZLO), mit dem Flugbewegungen über Deutschland überwacht werden und das auch als Führungsgefechtsstand für Lufteinsätze dient. Nötigenfalls werden von dort aus Maßnahmen eingeleitet, wenn Luftfahrzeuge unidentifiziert oder in unklarer Absicht in den deutschen Luftraum eindringen. Gegebenenfalls werden dann auch Abfangjäger alarmiert.

          Eigeninteresse der Bundeswehr

          Der Weltraum ist derzeit eine Dimension rasanter Entwicklung – zivil, aber auch militärisch. Nach derzeitiger Planung werden in absehbarer Zeit mehr als 30.000 Satelliten dort um die Erde kreisen, von der durchschnittlichen Größe eines Kleinwagens. Wegen der immer intensiveren Nutzung darüber laufender Datenverbindungen – etwa für Handys, GPS-Daten bis hin zum digitalen Zahlungsverkehr und der Überwachung von Geldautomaten – wächst die Empfindlichkeit gegen militärische Bedrohungen. Mehrere Staaten, darunter China und Russland, verfügen über Möglichkeiten, Satelliten anzugreifen, per Internet, aber auch mit weitreichenden Waffen. Unter anderem geht es in der Seydlitz-Kaserne deshalb darum, eigene Satelliten im Auge zu behalten und Aktivitäten von Drittstaaten zu beobachten.

          Zudem soll überwacht werden, ob sich der zunehmende Weltraumschrott zu einer Gefahr entwickelt. Im Weltraum sind, anders als auf der Erde, die Rechtsverhältnisse weitgehend ungeklärt. Es gibt kein „Weltraumrecht“, das Haftungsfragen bei Kollisionen klärt. Wie es heißt, sind Teile im All mit einer Geschwindigkeit von 7,5 Kilometern pro Sekunde unterwegs, was dem Fünffachen der Geschwindigkeit einer Panzergranate entspricht. Sollte die Zahl der Trümmerteile weiter steigen, würde die Kollisionsgefahr die Nutzbarkeit des Raumes zunehmend einschränken. Schrottteile können Jahre, teilweise Jahrhunderte in Umlaufbahnen kreisen. Daher sind viele Staaten zumindest an einem Verhaltenskodex interessiert.

          Die Bundeswehr selbst betreibt mit Satelliten militärische Aufklärung. Die Überwachung dieses Systems sieht sie als eigene Aufgabe an. Das „SARSearch and Rescue-Lupe“ ist ein eigenes deutsches Satellitenaufklärungssystem, das aus fünf Kleinsatelliten und einer Bodenstation besteht. Es kann, so die Bundeswehr, unabhängig von Wetter und Tageszeit hochauflösende Bilder von jedem Punkt der Erde liefern.

          Keine eigene Teilstreitkraft

          Genutzt werden also eigene technische Möglichkeiten, aber auch Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) mit Hauptsitz in Köln. Die Ministerin bezeichnete das neue Kommando als einen wichtigen „Schritt zur Stärkung der Handlungsfähigkeit in der Dimension Weltraum“. Das Ziel sei „die Bündelung bestehender Expertise und der Kapazitäten der Dimensionen Luft und Cyber unter gleichzeitiger Erweiterung um neue Fähigkeiten“. Mit der Aufstellung des Kommandos reagiere die Bundeswehr auf die immer stärker werdende Bedeutung des Weltraums für die Funktionsfähigkeit Deutschlands, den Wohlstand seiner Menschen und auf die zunehmende Abhängigkeit der Streitkräfte von weltraumgestützten Daten, Diensten und Produkten.

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          Nachdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor vier Jahren, kurz vor der damaligen Bundestagswahl, mit dem Cyber-Kommando den traditionellen Dimensionen Land, Luft und See mit dem virtuellen Raum eine weitere hinzugefügt hatte, führt nun Kramp-Karrenbauer die Bundeswehr in eine fünfte Dimension.

          Doch trägt die Ministerin den beschränkten deutschen Möglichkeiten auch dadurch Rechnung, dass der Weltraum keine eigene Teilstreitkraft bekommt. In den Vereinigten Staaten existiert ein Weltraumkommando seit rund vierzig Jahren, der frühere amerikanische Präsident Donald Trump hatte die Truppe 2018 per Dekret zur eigenen Teilstreitkraft befördert, der US Space Force. Ein Jahr später erklärte die NATO das All zu einer weiteren Operationsdomäne und definierte den Weltraum neben Luft, Land, See und Cyberspace als neuen operativen Bereich.

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