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Gabriele Pauli auf Sylt : Versprechen am blauen Nordseehimmel

Solche Sehnsucht: Gabriele Pauli am Strand von Westerland Bild: dpa

Am Sonntag ist Stichwahl auf Sylt. Gabriele Pauli hat mit ihrer Kandidatur Aufregung und Glamour in den Wahlkampf gebracht. Ihr Gegner, ein Einheimischer, übt sich in ortstypischer Gelassenheit.

          Die Friesenhalle in Keitum ist hoffnungslos überfüllt. Wohl an die hundert Besucher müssen abgewiesen werden. Es ist die letzte Gelegenheit für die Sylter Wähler, sich ein Bild von beiden Bürgermeisterkandidaten zusammen zu machen. Am Sonntag ist Stichwahl. Die Entscheidung fällt zwischen Gabriele Pauli, der früheren CSU-Landrätin aus Fürth, und Nikolas Häckel, einem Insulaner, der jetzt in Kiel arbeitet. Pauli bekam im ersten Wahlgang mit Abstand die meisten Stimmen. Bei sechs Kandidaten war sie die einzige Frau. Der „Pauli-Faktor“, wie er auf Sylt genannt wird, zeigte Wirkung.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In die Friesenhalle haben die Sylter Unternehmer und der Gaststättenverband eingeladen. Es geht um die Infrastruktur der Insel, Übernachtungszahlen, touristische Qualität, Ferienwohnungen und fehlenden Wohnraum für die Einheimischen. Nebenbei geht es auch um den Verlust der Geburtenstation, ein Thema, das deutschlandweit beachtet wurde. Für Pauli ist klar: Die Station muss wieder her, am besten über ein Stiftungsmodell. Und für Sylter Babys soll es ein Willkommensgeld geben.

          Überhaupt sieht sie rasche Lösungen für so ziemlich jedes Problem der Insel. Der Nahverkehr soll ausgebaut werden, damit weniger Autos auf die Insel kommen. Den Wohnungsbau will sie vorantreiben. Für den Tourismus auf der Insel will sie Fördergelder aus der „Tourismusoffensive“ des Landes Schleswig-Holstein einwerben. Und die 15 Millionen Euro, die beim Bau der Keitumer Therme ausgegeben wurden, die seit Jahren als Investruine dasteht, will sie zurückholen.

          „Fortschritt braucht Provokation“

          Häckel dagegen, der sich als Parteiloser von einer Sylter Wählervereinigung, der SPD und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW) unterstützt sieht, kennt die Sylter Situation zu gut, um das Blaue vom Nordseehimmel zu versprechen. So schnell könne sich an der Verkehrssituation nichts ändern, sagt er. Fördergelder für den Tourismus bekomme Sylt vom Land schon lange nicht mehr. Das sei auch gar nicht nötig, denn dann würde die überall bekannte Marke Sylt ihre Eigenständigkeit verlieren. Beim Wohnungsbau habe die Gemeinde viel unternommen, 500 neue Wohnungen sind im Bau. Und zur Keitumer Therme will Häckel erst etwas sagen, wenn er als Bürgermeister die Verträge sieht und sich ein Bild machen kann von dem, was schief lief.

          Freilich haben all die Sylter Themen, die in der Friesenhalle anklingen, keinen wirklichen Einfluss auf die Wahl. Es geht vor allem um den Glamour, den „Frau Doktor Pauli“, wie beinahe ehrfürchtig auf der Insel gesagt wird, verbreitet. Pauli war einst die jüngste deutsche Landrätin. Sie setzte in der CSU den Anfang der Ära von Edmund Stoiber. Sie kam mit den Freien Wählern in den Bayerischen Landtag. Sie beschäftigt die Gerichte und die Medien. Sie wurde zur „Roten Rebellin“, wie sie ihr 2013 erschienenes Buch nannte. „Fortschritt braucht Provokation“ heißt dessen Untertitel.

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