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Attacken in Waldkraiburg : IS-Terror in Bayern

Ein ausgebrannter türkischer Gemüseladen in Waldkraiburg im April Bild: dpa

Auch nach seiner militärischen Niederlage zieht der IS gewaltbereite Islamisten in seinen Bann. Diese müssen nicht in Syrien gekämpft haben, um gefährlich zu sein.

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          Die Anschlagsserie im oberbayerischen Waldkraiburg erinnert daran, dass sich die Terrorgefahr auch in Zeiten der Pandemie nicht einfach aufgelöst hat. Nach Anschlägen auf vier türkische Geschäfte wurde nun ein IS-Sympathisant verhaftet, der weitere Anschläge auf türkische Ziele geplant hatte.

          Die Anschlagsserie zeigt zum einen, dass der IS auch nach seiner militärischen Niederlage und dem Ende des „Kalifats“ weiterhin gewaltbereite Islamisten in seinen Bann zieht. Der Verdächtige ist weder ein Rückkehrer aus dem syrisch-irakischen Kriegsgebiet, noch bildete er mit anderen eine Terrorzelle. Eine Gefahr geht jedoch auch von verblendeten Einzeltätern wie ihm aus. Denn so schnell ist die Hassideologie des IS nicht mehr aus der Welt zu schaffen, zumal sich der IS dort, wo Krieg geführt wird und Staaten scheitern, neu organisiert.

          Zum anderen widerlegt die Anschlagsserie das oft zu hörende Vorurteil, dass die Türkei Pate des IS sei. Gewiss hat die Türkei Fehler gemacht. So hat sie alle über die Grenze nach Syrien durchgewinkt, die gegen das Regime Assad kämpfen wollten, und sie ließ sich auf zweifelhafte Allianzen mit Islamisten ein.

          Doch die Türkei gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Anti-IS-Koalition, und in keinem anderen Land hat der IS so viele Anschläge mit so vielen Toten verübt wie in der Türkei. Noch immer hebt die Türkei in landesweiten Razzien IS-Zellen aus. Als Vergeltung wollte der Attentäter in Deutschland lebende türkischstämmige Bürger treffen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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