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Work-Life-Balance : Männerjammer

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Dafür gibt es zwei Lösungen. Eine, die rechtskonservative, hat Houellebecq schelmenhaft ausführlich vorgestellt: eine gemäßigte islamische Diktatur, die die Frauen aus der Erwerbsarbeit zieht, die Polygamie für Männer einführt und die Sozialausgaben hochfährt. Folge für die Männer: mehr Sex, kein Haushalt. Oder eben eine linke Diktatur wie bei Huxley.

Die Kinder werden kollektiviert, feste Partnerschaften verboten. Folge für alle: mehr Sex, wenig Haushalt. Das jedenfalls ist die geschlechtergerechte Variante. Die Häwelmänner scheinen mehr mit der ersten Lösung zu liebäugeln, denn sie zitieren eine Studie, nach der die Sexquote um ein Drittel sinke, wenn die Männer auch bügelten und staubsaugten.

Das haben Frauen nie gewagt

Doch weit entfernt vom Houellebecqschen Macho-Gehabe hängen die Häwelmänner sich nun an die von Müttern angestoßene Vereinbarkeitsdebatte dran – und wollen wohl dafür gelobt werden. Doch sie machen einen Denkfehler. Sie monieren, dass alles gar nicht geht, als hätten sie ein Recht auf alles: auf Freizeit, sichere Gehälter, vollzeitberufstätige Frauen, Kinder, Sex, gesunde Großeltern, Harmonie am Küchentisch und im Ehebett. Das haben Frauen nie gewagt zu fordern.

Manche Frauen haben behauptet, alles ginge. Diese Frauen haben in der Regel verschwiegen, wie sie Karriere gemacht haben, oder sie haben ihren Aufstieg überzeichnet. Über das, was sie geopfert haben, oder über Kompromisse, die sie eingegangen sind, haben sie kaum geredet. Das ist nicht ehrlich, dennoch waren diese Frauen ungeheuer fleißig. Das Wohlergehen der Kinder haben sie wenig bedacht.

Andere Frauen haben darauf hingewiesen, dass „alles“ nicht geht. Damit man Familie und Beruf vereinbaren kann, haben sie Kompromisse gefordert. „Wahlfreiheit“ ist das Schlagwort dieser Debatte. Die einen fordern die Freiheit, Vollzeit arbeiten zu können, die anderen fordern – zumindest eine Zeitlang –, auch zu Hause bleiben zu dürfen. Die Häwelmänner aber wollen gar nicht wählen müssen, sie wollen alles. Das ist der Unterschied.

Auch Väter können Teilzeit arbeiten

Wenn sich nun doppelt verdienende Akademiker so aufführen, als wären sie kurz vor dem Kollaps, kann der Staat darauf nur mit Wochenkrippen für solche Leute antworten. Es scheint den Autoren ja schon eine Zumutung zu sein, sonntags mit dem Sohnemann zum Fußballspiel zu gehen. Auch dafür ließe sich eine staatliche Lösung finden, damit die Häwelmänner endlich ihre Augenringe loswerden. Dabei profitieren sie heute von dem, was die Frauenpolitik erkämpft hat.

Auch Väter können in Elternzeit gehen und Teilzeit arbeiten. Vereinbarkeit ist nämlich möglich. Dazu bedarf es dreierlei: faire Arbeitszeitregelungen, die Bereitschaft zu Kompromissen und die Möglichkeiten für Familien, sich selbst zu organisieren. Dazu gehören das Ehegattensplitting, das Betreuungsgeld und die kostenlose Mitversicherung nichterwerbstätiger Familienmitglieder.

Weitergehende Alimentierung gebührt den Alleinerziehenden und den Eltern, die von ihrer Arbeit kaum leben können. Die Häwelmänner aber mögen keine Kompromisse. Sie wollen Mitleid und Anerkennung von irgendeiner übergeordneten Instanz. Die Frauen haben sich ihre Rechte selbst erkämpft. Die Häwelmänner wollen, dass ihnen jemand anderes den Weg erleuchtet, auf dem sie alles haben können.

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