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Die Akte Mixa : Papst Benedikt XVI. wusste von Alkoholproblem des Bischofs

Engste Mitarbeiter beschrieben Mixas Alltag als den eines Alkoholikers Bild: dpa

Der Papst nahm das Rücktrittsgesuch von Bischof Walter Mixa nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an, weil ihm eine Akte mit schwerwiegenden Vorwürfen vorlag. Sie betreffen eine Alkoholkrankheit Mixas und sexuelle Übergriffe auf junge Priester.

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          Der Vorwurf sexuellen Missbrauchs gegen Walter Mixa war nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.) nicht der Grund für Papst Benedikt XVI., das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs anzunehmen. Deshalb spielt die Einstellung des Ermittlungsverfahrens der Augsburger Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang auch keine Rolle.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Vielmehr stimmte der Papst Mixas ursprünglichem, inzwischen revidiertem Ersuchen zu, weil ihm eine Akte mit schwerwiegenden Vorwürfen gegen den Bischof vorlag. Sie betreffen einerseits die Alkoholkrankheit Mixas und andererseits sexuelle Übergriffe auf junge Priester und Priesteramtskandidaten. Zeugen aus dem engsten persönlichen Umfeld Mixas hatten entsprechende Aussagen über seinen Lebenswandel gemacht, die dieser Akte beilagen. Übermittelt wurden die Unterlagen über die Apostolische Nuntiatur in Berlin. Die F.A.S. berichtet in ihrer Ausgabe vom 20. Juni aus der Akte Mixa.

          Darin schildern engste Mitarbeiter Mixas Alltag als den eines schwer alkoholkranken Mannes („Spiegeltrinker“), dessen Arbeits- und auch Wahrnehmungsfähigkeit massiv beeinträchtigt sei. Gute Ratschläge vieler Wohlmeinender seien am Bischof jahrelang abgeprallt. Ebenfalls wird erwähnt, dass Bischof Mixa in aller Öffentlichkeit als Lügner dastehe, weil er sich nicht mehr an die Gewaltexzesse des Stadtpfarrers Mixa (1973-1996) in dem Schrobenhausener Kinderheim erinnern könne. Vor dem Hintergrund der Krankheit wurde dies indes mit neuen Argumenten erklärbar.

          Zwei Priester hatten von „weichen Vergewaltigungen“ berichtet

          Noch etwas kam hinzu: Zwei Priester, einer aus dem Bistum Eichstätt, ein anderer aus dem Bistum Augsburg, hatten sich unabhängig voneinander genau bezeichneten Personen offenbart und von homosexuellen Übergriffen („weiche Vergewaltigung“) berichtet, die ihnen Mitte der neunziger Jahre gegen ihren Willen, jedoch in einem Zustand emotionaler Abhängigkeit, angetan worden seien.

          Die Aktennotiz mit dem Hinweis auf mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines zur Tatzeit womöglich Minderjährigen, die Zollitsch, Losinger und Marx dem Papst am Vormittag des 29. April überbrachten, spielte für die Entscheidung Benedikts keine Rolle mehr. Am 1. Mai fuhren Zollitsch und Marx nach Basel, um Mixa im Auftrag des Papstes zu bewegen, den Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt zu erklären.

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