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Analyse vom Parteitag : Die AfD will regieren

  • -Aktualisiert am

Chrupalla, Meuthen und Weidel in Braunchweig Bild: EPA

Die AfD trat erstaunlich diszipliniert auf bei ihrem Parteitag. Trotzdem wird sie so schnell keine normale Partei sein.

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          Die AfD hat sich auf ihrem Parteitag in Braunschweig erstaunlich diszipliniert gezeigt. Das befürchtete Kandidaten-Chaos blieb aus, die Delegierten wählten Tino Chrupalla aus Sachsen zum Parteichef, den Wunschnachfolger Alexander Gaulands. Der alte und neue Ko-Vorsitzende Jörg Meuthen erhielt knapp 70 Prozent der Stimmen, obwohl er sich deutlich gegen die Extremisten gestellt hatte, eine „Rechtsaußen-Partei“ sei mit ihm nicht zu machen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die beliebte, aber wenig originelle Interpretation, jeder Parteitag der AfD und jede Wahl eines Vorsitzenden bedeute einen Rechtsruck, wird mit Blick auf Braunschweig nur schwer aufrechtzuerhalten sein. Der Antisemit Wolfgang Gedeon wurde ausgebuht, viele Abgeordnete verließen die Halle, als er sprach, weniger als vier Prozent stimmten für ihn.

          Die eigentliche Botschaft des Parteitags, die sowohl Gauland als auch Meuthen offen aussprachen, lautet: Wir wollen regieren. Zwar ist die AfD-Spitze nicht so naiv zu glauben, das werde bald passieren. Doch sieht sie die eigene Partei und die Grünen als die aufstrebenden Kräfte in Deutschland, die SPD und auch die Union hingegen im Niedergang. Irgendwann werde der Union in der Auseinandersetzung mit Grün-Rot-Rot kein anderer Partner mehr bleiben als die AfD, orakelte Gauland. Bemerkenswert ist, dass die Aussage, die AfD müsse regieren, sobald es sich als sinnvoll anbiete, mittlerweile von allen geteilt wird, selbst vom radikalen „Flügel“. Noch vor zwei Jahren wurde die Ex-Vorsitzende Frauke Petry für diesen Anspruch maximal abgestraft.

          Die AfD wird dennoch so schnell keine normale Partei sein. Sie habe aber ihre Kinderkrankheiten abgelegt, sagte Meuthen. Scharfe Töne brauche man nicht, wenn man die Konservativen gewinnen wolle, sagte Chrupalla. Um ihre Vorsitzenden Lügen zu strafen, wählten die Delegierten ausgerechnet Stephan Brandner zum Partei-Vize: den Mann, der wegen seiner zotigen Sprüche und provokativen Ausfälle gerade als Vorsitzender des Rechtsausschusses im Bundestag abgewählt wurde.

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