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AfD-Parteitag in Hannover : Das wird man wohl noch aushalten dürfen

Frauke Petry zeigt sich auf dem AfD-Parteitag in Hannover in Jubelpose. Bild: Daniel Pilar

Es gibt zwei Podien auf dem AfD-Parteitag – auf dem einen spricht Frauke Petry zur Partei und auf dem anderen diktiert Björn Höcke seine Ansichten in die Mikros. Von Machtkampf oder Richtungsstreit will man in der AfD aber nichts wissen.

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          Immer diese Missverständnisse, sie sind Björn Höckes ständige Begleiter. Was hat er jetzt wieder getan? Er läuft doch nur. Höcke läuft durch die Stuhlreihen des AfD-Bundesparteitages in Hannover, auf der Suche nach einem Sitzplatz. Doch die Menschen erheben sich, sie greifen seine Hand, manche umarmen ihn, schnell bildet sich eine kleine Menschentraube, Fotografen mit Blitzlichtern eilen herbei, Fernsehmoderatoren mit Mikrofonen. Fragen soll er sich stellen lassen, er, der vielen als kommender Mann der AfD gilt.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Podeste gibt es auf dem Bundesparteitag der AfD zwei. Vorne im Saal steht das Podest des Bundesvorstands, von dem aus die Reden gehalten werden, hinten im Saal steht ein Podest, auf dem die Kameras aufgebaut sind. Dort gibt der thüringische Landesvorsitzende Höcke Interviews, eines nach dem anderen. In die Mikrofone diktiert er Ansichten über den „asylpolitischen Amoklauf Angela Merkels“, während vorne der hessische Landesvorsitzende Albrecht Glaser erklärt, warum „alle – auch die Medien – wissen müssen, dass Satzungsdiskussionen erotisch sind“. Nicht alle in der Partei teilen den Fetisch von Glaser.

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          Den stellvertretenden Parteivorsitzenden Alexander Gauland interessieren Satzungsparteitage zum Beispiel „überhaupt nicht“, sagt er – das Parteipolitische schon eher. Wie die meisten AfD-Funktionäre sagt er, dass Höcke mit seinen Auftritten den Machtanspruch der Bundesvorsitzenden Frauke Petry nicht infrage stelle. Das sei ein Machtkampf, der von den Medien herbeigeschrieben werde, sagt Gauland, der Gleiches schon behauptet hatte, als Petry auf ähnliche Weise den Machtanspruch von Bernd Lucke in Frage gestellt hatte. „Ja“, sagt Gauland, „aber dieses Mal gibt es wirklich keinen Machtkampf.“

          Eigentlich will Höcke gar nicht im Mittelpunkt stehen. Schon von seiner Persönlichkeit her sei das kein Bedürfnis von ihm. Er will auch kein Agitator sein – sagt er. Es soll nämlich alles anders sein in der neuen AfD. Vor wenigen Monaten noch hatten sich die Mitglieder Redeschlachten geliefert. Der Flügel um den früheren Parteivorsitzenden Bernd Lucke hatte die Partei unter Protest verlassen, von einem Rechtsruck war die Rede gewesen. Bei diesem Bundesparteitag soll eine „andere Atmosphäre“ herrschen, sagt der neue Parteivorsitzende Jörg Meuthen. Es soll um Inhalte und Satzungsfragen gehen. Nicht um Querelen.

          Keine Mehrheit für den Vorstand

          Das sagen viele Parteimitglieder am Wochenende. Nie wieder sollen sich Mitglieder in Rundschreiben beleidigen, Funktionäre ihre Konflikte über die Medien austragen oder Satzungsdebatten ganze Parteitage spalten. Deshalb sagt niemand ein kritisches Wort über Höcke. Stattdessen sagen viele, man müsse die „Meinungspluralität“ in der Partei aushalten. Für Höcke ist das keine schlechte Nachricht. Pluralität bedeutet für ihn: Er gibt als Vorsitzender eines kleinen Landesverbandes mehr Interviews als die Parteivorsitzende.

          Die AfD hat nach Meinung ihrer Funktionäre eine ganze Reihe von Nicht-Problemen. Höcke ist eines davon. Kein Problem ist auch, dass eine vom Bundesvorstand vorbereitete Resolution zur Flüchtlingskrise keine Mehrheit erhält. Stattdessen stimmen die Delegierten für eine Gegenresolution des nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Martin Renner. Der Resolutionsentwurf des Bundesvorstandes war nicht irgendeiner. Er war das sorgfältig formulierte Manifest der Parteiführung zur Flüchtlingskrise. Seine Verabschiedung sollte ein inhaltliches Signal für die kommenden Monate setzen. Würde ein Bundesvorstand einer anderen Partei in dieser zentralen Frage scheitern, es käme wohl auch AfD-Politikern in den Sinn, wenigstens von einer Komplikation zu sprechen.

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