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Dicke Deutsche : Ernährungsratgeber Bundestag

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Der Mensch ist, was er isst Bild: dpa

Es wurden keine Kniebeugen gemacht, und man reichte auch nicht Obst und Milch, doch solch einen gesunden Morgen haben die Abgeordneten vermutlich selten erlebt. Der Bundestag debattierte über die Fettleibigkeit. Konrad Mrusek war dabei.

          Es wurden keine Kniebeugen gemacht, und man reichte in der Debatte auch nicht Obst und Milch, doch solch einen gesunden Morgen haben die Abgeordneten vermutlich selten erlebt. Zwei Stunden lang diskutierte der Bundestag am Donnerstag darüber, wie sich die Bürger zu mehr Bewegung und vor allem die Kinder zu gesünderer Ernährung animieren lassen.

          Anlass dazu bot der Aktionsplan, den Ernährungsminister Seehofer (CSU) am Tag zuvor zusammen mit Gesundheitsministerin Schmidt (SPD) vorgestellt hatte. Darin wird das Ziel verkündet, bis 2020 die Zahl der Dicken um zwanzig Prozent zu vermindern - und zwar durch Aufklärung und durch die Förderung eines gesünderen Lebensstils.

          Kein Vollkorn-Seminar

          Wenn man den Umfragen glauben darf, ist Übergewicht schon eine deutsche Epidemie. Das spiegelte sich am Donnerstagmorgen im Parlament indes nicht wider. Voller Empörung hielt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Künast eine Boulevardzeitung in die Höhe, die mit Blick auf die Debatte übergewichtige Bundestagsabgeordnete abgebildet hatte: „Mit solch einer Diskriminierung von Dicken werden wir des Problems nicht Herr.“

          Fettleibigkeit - ein wahrlich dickes Problem

          Aus der Debatte im überschaubaren Kreis wurde zwar kein Vollkorn-Seminar, doch es wurden viele volkspädagogische Weisheiten verbreitet, die man in jedem Kochbuch und auch in Erziehungsratgebern findet. Man dürfe die Kinder eben nicht nur mit einem Schoko-Riegel in die Schule schicken.

          Und es sei eine Schande, dass die Kleinen so viel vor dem Fernseher sitzen. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, dozierte der Abgeordnete Blumentritt (SPD), der als gelernter Koch zudem beklagte, dass in den Familien kaum noch gemeinsam gegessen werde und daher Folgen der Fehlernährung bei Kindern eigentlich niemand überraschen könnten.

          Trotz Werbeverbots mehr dicke Schweden

          Die scheinbare Einigkeit aller Fraktionen wich erst einer politischen Kontroverse, als Frau Künast ans Podium trat. „Kinder sind keine mündigen Bürger, die brauchen Schutz vor der Industrie mit ihrer einlullenden Werbung“, sagte sie. Sie warf dem Gesundheitsminister Populismus vor, weil er auf Verbote verzichtet. Und zum Schluss hielt sie eine Tüte mit Süßigkeiten aus Großbritannien in die Höhe, die nach dem sogenannten Ampelsystem mit einem roten Punkt markiert ist. „Wir brauchen auch solch eine leichtverständliche Ampel, vor allem für die bildungsfernen Schichten der Bevölkerung.“

          Nachdem sie sich derart exponiert hatte, stellte ihr die CDU-Abgeordnete Klöckner die Frage: „Warum haben Sie denn als Ministerin die Ampel nicht gefordert?“ Eine dreifarbige Markierung von Lebensmitteln, bei der etwa Butter einen roten Punkt bekäme, ist für Frau Klöckner „Schwarzweißdenken“. Daher sei auch eine britische Handelskette bereits von diesem System abgerückt.

          Verbote für an Kinder gerichtete Werbung lehnte die CDU nicht völlig ab. „Wenn sich das als nützlich erweist, dann könnte man darüber nachdenken“, sagte Frau Klöckner. Doch gibt es Anlass zur Skepsis: In Schweden hat sich trotz eines Werbeverbots die Zahl der dicken Kinder verdreifacht.

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