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Deutschkenntnisse von Imamen : Dem österreichischen Weg folgen

Imame vor eine Moschee in Wien Bild: Reuters

In Österreich müssen Imame umfassende Kenntnisse der deutschen Sprache vorweisen – und eine akademische Ausbildung in dem Land. Auch Deutschland kommt an solchen Regelungen langfristig nicht vorbei.

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          Wird, was lange währt, schon deswegen gut? Auf den ersten Blick erscheint das Vorhaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sinn- und maßvoll, Geistlichen aus Nicht-EU-Staaten, die in Deutschland als Seelsorger tätig sein wollen, Grundkenntnisse der deutschen Sprache abzuverlangen, und zwar gleich weder Religion oder Konfession.

          So waren es im vergangenen Juni nicht irgendwelche Moscheevereine oder die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet, die gegen erste zaghafte Vorschläge aus der Bundesregierung mobil machten, sondern die Deutsche Bischofskonferenz. Denn nicht nur islamische Gemeinden werden oftmals von Imamen betreut, die aus dem Ausland kommen. Der Mangel an Priestern in der katholischen Kirche hat vielerorts dazu geführt, dass Geistliche aus Indien, Nigeria oder aus Polen eingesetzt wurden, um wenigstens die Feier der Sakramente sicherzustellen.

          Dass deren Sprachkenntnisse anfangs mitunter mehr als dürftig sind, ist indes nicht nur für sie selbst eine demütigende Erfahrung, sondern auch für die Gemeinden.

          So ist wohl auch der Lobbyarbeit der katholischen Kirche zu verdanken, dass die Anforderungen an die Sprachkenntnisse von Geistlichen aus Nicht-EU-Staaten bei ihrer Einreise nach dem jetzt vorliegenden Referentenentwurf so niedrig sein sollen, dass sie eigentlich nicht der Rede wert sind. Doch selbst diese Regelung würde, sollte sie jemals Rechtskraft erlangen, den Emissären der türkischen Religionsbehörde wie auch den Akteuren aus den Golfstaaten ungleich mehr abverlangen als den katholischen Bischöfen.

          Denn allen Wohlverhaltensbekundungen zum Trotz hat sich bis heute im Grundsatz nichts daran geändert, dass Imame überhaupt keine Kenntnisse der Sprache ihres Gastlandes vorweisen müssen, wenn sie in Berlin, Duisburg oder Mannheim tätig werden.

          In Österreich ist dies schon einige Jahren nicht mehr möglich. Dort wurde 2015 per Gesetz festgelegt, dass Imame umfassende Kenntnisse der deutschen Sprache vorweisen müssen. Zudem verbietet Österreich die Finanzierung religiöser Funktionsträger aus dem Ausland und schreibt für sie eine akademische Ausbildung in Österreich vor.

          Die Bundesregierung indes ist bislang nicht willens, den österreichischen Weg zu gehen. Doch langfristig führt an Regelungen wie diesen kein Weg vorbei: Auch sie sind ein Integrationsangebot – und das nicht zuletzt dadurch, dass sie Integrationshindernisse beseitigen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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