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Deutschlands Stärke : Keine Experimente

Lange schon dabei: Angela Merkel und weitere Mitglieder der Regierung am Freitag im Bundestag Bild: Daniel Pilar

Durch viele Länder Europas geht ein Riss. Durch Deutschland nicht. Die wichtigsten Politiker sorgen für Stabilität. Über ein Rezept, von dem Europa lernen kann.

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          Schon zehn Jahre regiert Angela Merkel als Kanzlerin. Mit der langen Amtszeit steht sie in der Regierung nicht allein. Auch Ursula von der Leyen ist seit zehn Jahren Bundesministerin. Das gilt auch für Thomas de Maizière, der von Anfang an dabei war. Zurzeit ist er Innenminister. Und auch der Methusalem der bundesdeutschen Politik, Finanzminister Wolfgang Schäuble, ist seit zehn Jahren ununterbrochen im Kabinett; er war auch schon zu Helmut Kohls Zeiten Kanzleramtschef und Innenminister. Doch nicht nur die CDU hat solch Langgediente zu bieten. Als alter Hase kann mittlerweile Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel von der SPD gelten. Frank-Walter Steinmeier wandelt als Außenminister schon fast auf Genschers Spuren, hatte zuvor schon sieben Jahre als Chef des Kanzleramts unter Gerhard Schröder auf dem Buckel. Jurassic World in Germany - die Politik-Saurier haben das Land fest im Griff.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eine solche Regierung ist einmalig in Europa. Ist das gut oder schlecht? Kleben hier die immer gleichen Leute auf ihren Posten? Zunächst einmal erzeugt die Beharrlichkeit des politischen Spitzenpersonals ein Gefühl von Stabilität. In einer Zeit weltweiter Krisen ist das eine Stärke. Deutschlands Verfasstheit hat auch mit dieser Stabilität zu tun. Wir Deutschen stehen in einer unruhigen Welt ziemlich gut da, nicht zuletzt unsere Wirtschaft.

          Unerfahrenheit sorgt für Unruhe

          Die Streiks bei der Bahn, der Post, der Piloten oder in den Kitas schienen zuletzt dagegen zu sprechen. Doch sie sorgten auch deswegen für Aufregung, weil wir lange Arbeitskämpfe nicht gewohnt sind. In Deutschland gehen, anders als in vielen anderen Ländern, die Sozialpartner meist pfleglich miteinander um, suchen den Kompromiss. Sie tun es der Politik gleich.

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          Gut gemachte Politik beruht nicht zuletzt auf Erfahrung, die nur dadurch entsteht, dass man sie machen konnte. Die Kapriolen der griechischen Regierung kann man der Ideologie des Ministerpräsidenten Tsipras und seiner Minister zurechnen. Vieles ist aber auch schlicht Unerfahrenheit. Die deutsche Politik bietet selbst genug Anschauung dafür, was solche Unerfahrenheit bewirkt. So waren die ersten Monate der rot-grünen Regierung, die im Herbst 1998 die Wahl gewonnen hatte, höchst unruhig, weil eine SPD sie führte, die lange nicht mehr an der Macht war, zusammen mit Grünen, die noch nie im Bund regiert hatten. Damals machten die Koalitionäre einen Fehler nach dem anderen. Und auch die schwarz-gelbe Koalition, die 2009 gewählt wurde, geriet nicht zuletzt deswegen in Misskredit, weil die FDP in mehr als zehn Jahren Opposition das Regieren verlernt hatte.

          Deutsche haben was gegen Wechsel an der Spitze

          An Angela Merkel lässt sich beobachten, dass langes Regieren Ruhe und Gelassenheit fördert. Da sie die Mechanismen des politischen Geschäfts kennt, lässt sie sich heute weniger als früher treiben von den Leuten, die sie umgeben, auch nicht von der Presse. Es hilft ihr, dass sie andere Politiker schon lange kennt, Wladimir Putin zum Beispiel. Sie weiß, wie sie ihn zu nehmen hat. Das hat womöglich Schlimmeres verhindert.

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