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Zu viele Hospitäler : Der Patient Deutschland

Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell. Bild: ZB

Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Der Befund ist offenkundig: Der Patient Deutschland hat zu viele Krankenhäuser, Diagnose Hyperklinie. Ein Chirurg muss her, um mit scharfer Klinge die überzähligen Häuser zu entfernen. Bleibt die Frage, wie der Operateur das überschüssige Gewebe identifiziert und von jenen Strukturen unterscheidet, die bleiben können, ja: bleiben müssen.

          Die Frage ist nicht neu, ganz im Gegenteil, immer wieder legen Wissenschaftler Berechnungen vor, wie groß die Zahl der überflüssigen Krankenhäuser ist. Am Montag haben Forscher im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung eine weitere Zahl präsentiert, demnach sei mehr als die Hälfte aller Häuser überflüssig. Das jedenfalls ist das Ergebnis, wenn nicht die geographische Nähe zum wesentlichen Kriterium wird, sondern die Qualität der Behandlung. Es verwundert kaum, dass die Studie auf eine geradezu reflexartige Ablehnung stieß – schließlich ist es politisch alles andere als opportun, das Aus eines kleinen Krankenhauses zu fordern.

          Ein Krankenhaus hat nah zu sein

          Denn die Deutschen lieben ihre Kreiskrankenhäuser, mögen die Stationen noch so schlecht ausgestattet und die Ärzte bei komplizierteren Fällen noch so überfordert sein – ein Krankenhaus hat nah zu sein, sonst ist es kein gutes Krankenhaus. Das steht zwar im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, denen zufolge die Qualität einer Behandlung tendenziell steigt, je größer ein Krankenhaus ist, aber so ist es nun einmal, und viele Lokalpolitiker handeln danach.

          Eine gute Krankenhauspolitik ist wie jede vernünftige Politik stets ein Kompromiss, der Versuch einer Balance gegenteiliger Interessen. Weder ist es Patienten zuzumuten, eine Stunde oder mehr zum nächsten Krankenhaus zu fahren, noch ist es zu verantworten, dass zum Beispiel Schlaganfallpatienten in Notaufnahmen gebracht werden, in denen die notwendigen Geräte und die hinreichend erfahrenen Ärzte fehlen. Dabei kommt es auf die Gegebenheiten vor Ort an: Es gibt in Deutschland Regionen, in denen auf kleinem Raum ein gutes Dutzend Krankenhäuser miteinander um Patienten konkurrieren. Diese Parallelstrukturen mit öffentlichen Mitteln aufrechtzuerhalten ist unverantwortlich; dass dort weiterhin Häuser schließen, unvermeidlich. Anders ist es in ländlichen Regionen, in denen die Versorgungslage schon jetzt teilweise desaströs ist, dort müssen die vorhandenen Kliniken erhalten bleiben.

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