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Jasper von Altenbockum (kum.)

Lockdown bis zum 3. Mai : Eine harte Probe für die Deutschen

Vor der Pandemie: Merkel, Laschet und Söder am 12. März im Kanzleramt Bild: dpa

Mehr als Lockerungsübungen wird es erst einmal nicht geben. Bund und Länder gehen auf Nummer sicher. Doch das eine Risiko könnte bald schon von anderen überschattet werden – und von wachsender Kritik.

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          Bund und Länder haben von Lockerungen im großen Maßstab, wie nicht anders zu erwarten, noch einmal Abstand genommen. Zwar hat die Corona-Pandemie in Deutschland nie das kritische Maß erreicht, das die Ärzte zur „Triage“ gezwungen hätte. So soll es auch bleiben. Dafür liegt aber der Reproduktionsfaktor – wie viele Menschen werden durchschnittlich von einem Infizierten angesteckt – noch immer höher, als es das Robert-Koch-Institut für tolerabel hält.

          Die Ausgangsbeschränkungen noch einmal um zwei Wochen zu verlängern, stellt die Geduld der meisten Bürger auf eine harte Probe. Sie ist aber die beste Versicherung gegen Rückschläge und Enttäuschungen. Die Ministerpräsidenten sind damit auf der sicheren Seite – und auf der Seite des Gesundheitsministers und der Kanzlerin, die zur Vorsicht mahnen.

          Dazu wird, so ist allerdings zu befürchten, auch beigetragen haben, dass weder Testkapazitäten noch App-Entwicklung schon soweit sind, dass man sagen könnte, alle Beteiligten hätten ihre Hausaufgaben getan. Warum es damit so lange dauert und ob man hätte weit besser vorbereitet gewesen sein können, auch daran ist dieser abermals verlängerte „Lockdown“ mit all seinen schwerwiegenden Nebenfolgen zu messen. Sicher ist: Die Kritik wird schon deshalb zunehmen.

          Manches wäre vorher schon gegangen

          Verhältnismäßig ist dieser erste Schritt aber dennoch, weil vor dem neuen magischen Datum, dem 3. Mai, zwar keine großartigen Lockerungen, aber doch Lockerungsübungen möglich sind. Dabei handelt es sich um Erleichterungen, die schon längst hätten erlaubt sein können – weil sie in einzelnen Ländern schon längst funktionierten. Das gilt besonders für den Einzelhandel. Baumärkte blieben mancherorts geöffnet, Supermärkte und Bäckereien sowieso, warum dann nicht auch andere Geschäfte mit einem Publikumsverkehr, der Hygiene und Abstand nicht gefährdet (aber bitte mit Mundschutz)?

          Schon diese Unterschiede verrieten, dass die Länder sich über das nötige Maß an Beschränkungen nie wirklich einig waren. Der Dissens brach jetzt in der Schulfrage wieder auf. Nordrhein-Westfalen war nicht zufällig das Land, das auf eine Öffnung drängte, am besten gleich schon nächste Woche. Wie das gehen sollte, darüber waren sich weder Minister noch Lehrer noch Virologen einig.

          Aus dem Interesse Nordrhein-Westfalens spricht aber nicht so sehr eine organisatorische Ungeduld, die ohnehin auf einer Illusion beruht: So schnell geht es einfach nicht, selbst wenn man schnell sein wollte. Die jetzt verkündete Mai-Perspektive verlangt den Kommunen und Betrieben an Rhein und Ruhr mehr ab als in jedem anderen Land. Je länger der „Lockdown“ dauert, desto stärker werden „arme“ Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen gegenüber den „reichen“ zurückgeworfen.

          Das mag sich kurzfristig nicht ändern lassen oder angesichts der Katastrophe als Bagatelle gelten. Es gehört aber trotzdem und im Unterschied zu mancherlei Veränderungslyrik zum Kapitel „Alles wird anders“. Irgendwann wird das Risiko eines Rückschlags in der einen Sache von dem Risiko dauerhafter Rückschläge in anderen Sachen in den Schatten gestellt.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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