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Deutschland und der Islam : Friedrich bietet Muslimen Dialog an

  • Aktualisiert am

Bundesinnenminister Friedrich will den Dialog mit den Muslimen voranbringen Bild: dapd

In der Debatte über den Islam in Deutschland bleibt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bei seiner umstrittenen Position. Zugleich betonte er, er wolle den Dialog mit den muslimischen Mitbürgern voranbringen. „Die Einladung für die nächste Deutsche Islamkonferenz am 29. März steht.“

          Nach dem Streit über seine Äußerungen zum Islam in Deutschland hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich die Muslime einen Dialog angeboten. Der CSU-Politiker sagte, er freue sich auf die Gespräch bei der nächsten Islamkonferenz. Die SPD warf dem Minister einen „Fehlstart im neuen Amt“ vor.

          Friedrich sagte am Samstag in Berlin: „Erfolgreiche Integration setzt beides voraus: Wissen um die gesellschaftliche Realität in Deutschland - zu der rund vier Millionen Muslime gehören - und ein klares Bewusstsein für die christlich-abendländische Herkunft unserer Kultur.“Er wolle „in diesem Sinne den Dialog mit den muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unserem Land voranbringen“.

          SPD: Deutschland aus Sicht von Oberfranken

          „Die Einladung für die nächste Deutsche Islam Konferenz am 29. März steht - ich freue mich darauf und auf die alsbaldigen Gespräche mit den in der Deutschen Islam Konferenz vertretenen Verbänden“, fügte Friedrich hinzu. Der CSU-Politiker hatte am Donnerstag bei seiner ersten Pressekonferenz als Minister gesagt: „Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt“ und damit Bundespräsident Christian Wulff widersprochen. Friedrich erntete dafür Kritik von Islam-Verbänden, aus der Opposition, aber auch aus der Union.

          Für Bundespräsident Wulff gehört der Islam eindeutig zu Deutschland

          Scharfe Kritik kam von den Sozialdemokraten. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, monierte: „Als Bundesinnenminister reicht es nicht aus, Deutschland aus der Sicht von Oberfranken zu betrachten.“ Wulff habe recht: „Der Islam gehört zu Deutschland. Und Hans-Peter Friedrich hat 100 Tage Zeit, sich in das neue Amt als Bundesinnenminister einzufinden.“

          Liberale Muslime empört

          Unions-Fraktionschef Volker Kauder unterstützte hingegen Friedrichs Einschätzung. Der CDU-Politiker sagte: „Der Islam hat unsere Gesellschaft nicht geprägt und prägt sie auch heute nicht. Der Islam gehört damit nicht zu Deutschland.“

          Liberale Muslime reagierten empört auf Friedrichs Äußerungen. Die Vorsitzende des liberal-islamischen Bundes, Lamya Kaddor, nannte die Worte des Ministers eine „Ohrfeige ins Gesicht der Muslime“. „So eine Aussage ist nicht nur politisch und geschichtlich falsch“, sagte Kaddor. „Ich halte sie für gefährlich.“ Damit würden alle Fortschritte in der Islamdebatte der vergangenen Jahre negiert und die Dialogbereitschaft vieler Muslime geschwächt.

          Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland, Mina Ahadi, sagte hingegen: „Endlich hat ein deutscher Politiker mal den Mut, klar zu sagen, dass der Islam mit einer aufgeklärten, demokratischen Kultur wie in Deutschland unvereinbar ist. Wir brauchen mehr Politiker, die den aggressiven Islam nicht länger hilflos verharmlosen.“ Religion solle generell in Deutschland Privatsache bleiben. Seit Jahren versuche eine zunehmend aggressive islamische Bewegung, in Europa Fuß zu fassen. „Hier geht es nicht mehr nur um Religion, sondern um ganz klare menschenverachtende und besonders frauenfeindliche Politik“, sagte sie.

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