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Diplomatische Krise : Das Verhältnis zur Türkei war schon belastet

Auf dem Nato-Gipfel in Warschau im Juli: Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Erdogan Bild: dpa

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei bleibt schwierig. Aber was verändert die Erkenntnis, dass das Land als „Aktionsplattform“ für Islamisten dient? Ein Kommentar.

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          Vielleicht schlügen die Wogen der Erregung nicht so ganz hoch, wäre das deutsch-türkische Verhältnis im Lot; wäre das europäisch-türkische Flüchtlingsabkommen nicht so umstritten; würde die Führung in Ankara nach dem gescheiterten Putschversuch nicht einen solch harten, autoritären Kurs verfolgen. Denn die Sache, die in der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag zur Sprache kommt, ist alles andere als neu.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Man wusste, dass Präsident Erdogan und die Regierungspartei den Muslimbrüdern ideologisch nahestehen; dass sie islamistische Rebellengruppen in Syrien unterstützen; dass Hamas-Führer in Ankara empfangen wurden. Auch ist die Beobachtung einer Islamisierung der türkischen Innen- und Außenpolitik keine Sensation. Derlei steht seit Jahren in der Zeitung. Die Frage, die sich stellt – neben der, warum die Antwort ohne Mitwirkung des Auswärtigen Amtes zustande kam –, ist die: Macht das die Zusammenarbeit mit Erdogans Türkei unmöglich oder „nur“ komplizierter?

          Ein Blick auf die Karte genügt

          Ja, die Türkei ist ein schwieriger Partner, einer, der sich von Europa mehr und mehr entfremdet (der sich freilich vom Westen unverstanden und schlecht behandelt fühlt). Die Vorstellung, das Land sei eine „Aktionsplattform“ islamistischer Gruppen im Nahen Osten, ist beunruhigend. Doch ist die Türkei auch Frontstaat, der die Auswirkungen des Syrien-Kriegs direkt zu spüren bekommt; was wiederum, wenigstens zum Teil, Folge der eigenen Verwicklung ist. Und nach wie vor ist sie Mitglied der Nato, der wichtigsten Organisation des Westens.

          Nicht jede türkische Maßnahme und nicht jede rhetorische Provokation wird man unter Hinweis auf diese Mitgliedschaft schlucken können. Und vor der generellen Entwicklung darf man nicht die Augen verschließen. Naiv im Umgang mit Ankara ist niemand. Aber so zu tun, als könne man sich von diesem Partner so einfach trennen, weil man soeben dessen sinistre Seite entdeckt habe, ist lächerlich. Ein Blick auf die Karte genügt, um zu erkennen, warum das so ist und warum die Zusammenarbeit nach wie vor in unserem Interesse ist.

          Dem Westen muss daran gelegen sein, dass die Türkei ihren Bündnisverpflichtungen nachkommt – und seine Sicherheit nicht gefährdet. Darauf muss man hinwirken. Es ist bezeichnend, dass die Türkei und Israel, das in Sachen Islamismus und Terrorismus hellwach ist, auf dem Wege der Versöhnung sind.

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