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Deutschland : So viele Ausländer wie seit 1993 nicht mehr

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Die deutsch-polnische Grenze in Görlitz Bild: dpa

Die Zahl der in Deutschland registrierten Ausländer ist 2012 so kräftig gestiegen wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Sie erhöhte sich um 4,1 Prozent auf gut 7,2 Millionen, teilte das Statistische Bundesamt mit.

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          In Deutschland leben derzeit etwa 7,2 Millionen Ausländer. Dies teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit. Die EU-Erweiterung und die Finanzkrise in Südeuropa hätten im vergangenen Jahr so viele Ausländer nach Deutschland gelockt wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Stärker war die Zunahme zuletzt nur 1993 gewesen.

          Von allen Ausländern waren Türken mit 1,6 Millionen die größte Gruppe, gefolgt von Polen und Italienern. 80 Prozent der neu in das Zentralregister aufgenommenen Ausländer stammten aus den EU-Mitgliedstaaten. Die anderen kamen vor allem aus Syrien, China, Indien und der Russischen Föderation.

          Besonders stark ist der Zustrom aus den acht mittel- und osteuropäischen Staaten, für die Deutschland seit dem 1. Mai 2011 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit gewährt. Die Zahl der zugewanderten Polen etwa erhöhte sich um 13,6 Prozent, die der Ungarn sogar um 29,8 Prozent. Ebenfalls deutlich erhöht hat sich die Zahl der Immigranten aus den beiden 2007 der EU beigetretenen Ländern Rumänien (plus 28,8) und Bulgarien (plus 26,5). Auch viele Menschen aus den Euro-Krisenländern zieht es nach Deutschland, vor allem aus Griechenland (plus 5,1) und Spanien (plus 9,1).

          Bild: F.A.Z.

          Größter Zuzug nach Bayern

          Die meisten neu registrierten Ausländer ließen sich in Bayern nieder (plus 65.900), gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg (jeweils plus 52.900). Der prozentuale Anstieg war vor allem in Ostdeutschland hoch: Er reichte von 6,5 Prozent in Sachsen-Anhalt bis 11,5 Prozent in Thüringen. Den geringsten Zuwachs verzeichnete das Saarland mit 1,6 Prozent, gefolgt von Berlin mit 2,1 Prozent.

          Die deutsche Wirtschaft ist auf Einwanderung angewiesen. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 28.000 Unternehmen nennen 36 Prozent von ihnen das knappe Angebot an qualifiziertem Personal als Geschäftsrisiko für die kommenden zwölf Monate. Am stärksten leidet derzeit die Zeitarbeitsbranche unter dem Fachkräftemangel, über den drei Viertel der Firmen klagen. Aber auch in den Gesundheits- und sozialen Diensten, bei Wirtschaftsprüfern, Rechts- und Steuerberatern, im Bauausbaugewerbe sowie im Gastgewerbe befürchtet mehr als jedes zweite Unternehmen Engpässe.

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