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Umwelt-Altlasten der DDR : Giftiges Erbe und blühende Landschaften

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Die Bergung und Sanierung solcher „Altlasten“ sorgt oft für unerwartete Herausforderungen
Die Bergung und Sanierung solcher „Altlasten“ sorgt oft für unerwartete Herausforderungen : Bild: Baufeld-Umwelt-Engineering GmbH, Chemnitz

Für die Sanierung wurden mehrere Brunnen gebohrt, darunter in einem bisher einmaligen Verfahren zwei Horizontalbrunnen, die in den Grundwasser führenden Schichten positioniert wurden. Von dort wird das kontaminierte Wasser zu einer oberirdischen Reinigungsanlage und anschließend zurück in den Boden gepumpt. Auf diese Weise können pro Woche bis zu 16 Kilogramm der einstigen Lösungsmittel aus dem Grundwasser gefiltert werden; insgesamt wurden bisher knapp zwei Tonnen der versickerten Chemikalien aus der Tiefe geholt. Zudem sollen in den kommenden Jahren, ebenfalls in einem neu entwickelten Verfahren, im Boden festsitzende Schadstoffe mit Hilfe von Tensiden zum Fließen gebracht und geborgen werden.

Die Sanierung dieser Umwelt-Altlasten werde das Land auch in Jahrzehnten noch beschäftigen, sagt Minister Schmidt. „Das ist eine Generationenaufgabe.“ Allerdings saniere man auch nicht um jeden Preis, sondern wäge Gefahrenlage und Kosten ab. Exemplarisch dafür steht das einstige Steinkohlenmahlwerk in Hohndorf im Erzgebirge. Hier wurden gut hundert Jahre lang Kohlenstaub und Teeröl zu Briketts verpresst, die Abprodukte, darunter Steinkohlenabrieb, Braunkohlenasche und nicht verbrauchte Teeröle wurden in ein unterhalb gelegenes Absetzbecken verkippt - und als das gefüllt war, auch darüber hinaus. Auf der wilden Halde sammelten sich zudem bald Hausmüll und Siedlungsabfall an, was zunächst ungefährlich aussah.

Nun wachsen Erlen, Lärchen und Eichen

Das ganze Ausmaß der Verunreinigung kam erst ans Tageslicht, als an einem Bachlauf plötzlich Teeröl austrat. „Niemand hier hat geahnt, dass in der Kippe soviel Teer steckt“, sagt Sylvia Kirsten, die im Erzgebirgskreis für Bodenschutz zuständig ist. Bodenproben offenbarten die massive Belastung der Halde mit verschiedensten Chemikalien, die das Oberflächenwasser verunreinigten. Das sei „ein ziemlicher Cocktail“ gewesen; bei der 4,4 Millionen Euro teuren Sanierung wurden dann unter anderem 180 Tonnen zäh-breiiges Teeröl und 17.000 Tonnen belasteter Boden entsorgt.

Die Grube selbst wurde jedoch nicht komplett ausgebaggert. „Noch tiefer zu gehen, wäre zu teuer gewesen“, sagt Sylvia Kirsten. „Deshalb haben wir uns für eine Kombination aus Sicherung und Sanierung entschieden.“ Die Oberfläche wurde versiegelt, sodass kein weiteres Wasser eindringen kann, hier befindet sich heute ein asphaltierter Parkplatz. Auf der einstigen Halde dagegen ist ein Wald entstanden, in dem Erlen, Lärchen und Eichen wachsen, als wäre es nie anders gewesen.

In der benachbarten Erzgebirgsstadt Oelsnitz wiederum lässt sich besichtigen, was aus einer einst belasteten Fläche auch entstehen kann. Auf dem großflächigen ehemaligen Güterbahnhof des Ortes, der vor allem dem Kohleumschlag diente, hat im Frühjahr die 7. Sächsische Landesgartenschau eröffnet. Auf den einst mit Kohlenstaub bedeckten Flächen wurden Wiesen, Wege und Teiche angelegt und Bäume, Stauden- und Blumengärten gepflanzt, die sich heute in den prächtigsten Farben präsentierten. Wenigstens hier sind die oft bemühten blühenden Landschaften Wirklichkeit geworden.

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