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Noch ein Corona-Lockdown? : Deutschland steht gut da – weil jederzeit quer gedacht wurde

Strandabschnitt belegt: Corona-Maßnahme am Timmendorfer Strand Bild: dpa

Jedes Volk in einer Demokratie bekommt, was es verdient. Deutschland ist mit seinem Anti-Corona-Weg gut gefahren. Jeder entscheidet mit, wie lang er sein wird.

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          Jedes Volk hat in einem demokratischen Gemeinwesen nicht nur die Regierung, die es verdient. Es bekommt auch die Maßnahmen, die es verdient. Einen zweiten Lockdown wird es voraussichtlich schon deshalb nicht geben (müssen), weil wir mehr über das Virus und seine Verbreitung wissen und Vorbereitungen getroffen wurden.

          Drastische, alle betreffende Einschränkungen sind heute – einstweilen – nicht mehr gerechtfertigt; man kann gezielt gegen einzelne Herde vorgehen. Das System ist gewappnet; die Kliniken gerüstet und die Gesundheitsämter im Großen und Ganzen in der Lage, Infektionen zurückzuverfolgen. Mit (Rest-)Risiken muss man immer leben; sie sind der Preis der Freiheit.

          Klar ist auch, mit welch geringem Aufwand für jeden Einzelnen sich das Infektionsgeschehen weiter eindämmen lässt. Eindrucksvoll erweist sich die pluralistische Gesellschaft als lebendiges System. Es ist menschlich verständlich, dass die Disziplin nachlässt, wenn die Infektionszahlen zurückgehen und die Gefahr geringer erscheint – und man kann zunächst einmal hoffen, dass es auch andersherum funktioniert.

          Sonst müssen (wieder) Sanktionen helfen – im Sinne aller. Nötig sollte das in einem aufgeklärten Land eigentlich nicht sein; jeder konnte vom Massensterben in Bergamo und Manhattan wissen, und jeder hat erfahren, dass dieses Land mit seinem Weg der Corona-Bekämpfung ziemlich gut gefahren ist.

          Und zwar deshalb, weil überall jederzeit auch quergedacht wurde: Wie groß ist die Gefahr, was kann man Bürgern und Wirtschaft zumuten – und wie lange? Im Zusammenspiel von Bund, Ländern, Kommunen, Gerichten und gesellschaftlichen Gruppen hat sich dieser Weg herausgeschält. Es ist ein Weg, der noch lange nicht zu Ende ist. Jeder entscheidet selbst darüber mit, wie beschwerlich er sein wird.

          Die Demonstranten, die die Pandemie leugnen oder sie als Mittel einer Herrschaft der Angst benutzt sehen, haben ihre Bühne, sind aber bezeichnenderweise sehr wenige geblieben. Auch das spricht für die freiheitliche Gesellschaft, die letztlich in der Tat das bekommt, was sie verdient.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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